Nina, Nena, Aprikose

1978:

Wir saßen bei P. im Kinderzimmer und sie spielte mir ein Lied von Nina Hagen vor. Offenbarung! Ich kaufte mir die LP und und hörte sie rauf und runter. Mein Vater war davon überzeugt, dass eine Lehre zur Bankkauffrau das richtige für mich sei. Ich kochte das erste Mal Miesmuscheln, traf mich wöchentlich mit der Clique im Hallenbad, verliebte mich zum ersten Mal und mit Aprikosen konnte man mich jagen.

 

1982: 

Nena sah ich zum ersten Mal im Fernsehen und fand ihr Lied zum kotzen. Nina hörte ich noch immer rauf und runter. Mein Vater war davon überzeugt, dass das Wirtschaftsgymnasium für mich am besten sei. Ich wusste, dass es das nicht ist, spielte Badminton, versagte auf dem Skateboard und liebte es, die Frösche am Baggersee zu beobachten. Aprikosen? Iiiiiih!

 

2016:

Ich bin keine Bankkauffrau und meine Kinder durften sich ihre Schulen selber aussuchen. Was für mich am besten ist, darüber bestimmt ich selber und es ist mir ganz egal, ob das anderen gefällt oder nicht. Muscheln esse ich noch immer gern, eigentlich genau so gerne wie Aprikosen. Ninas Lieder kann ich noch immer rauf und runter auswendig mitsingen und ich höre Nena. Nicht die von damals. Die Nena von heute.

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