Gedenkstätte Klingenmünster

Am Ortsausgang von Klingenmünster, Richtung Annweiler, ist auf der rechten Seite ein Parkplatz, von dem aus man einen schönen Blick in die Umgebung hat:

Mit etwas Glück trug der große Mandelbaum sogar noch Blüten für uns:

So viel Schönes nach vorne raus, nach hinten so viel Schmerz und Trauer mit der Gedenkstätte des Pfalzklinikums Klingenmünster.  

Wenn man nicht weiß, wovor man hier steht, werden einem zuerst einmal die Blumen hinter der Umfriedung auffallen, dann wird man recht schnell bemerken, dass sich hier ein Friedhof befindet, zum Teil mit einem Bereich neuer und sehr neutraler Grabstätten, zum Teil mit einem Gelände, auf dem nur noch sehr wenige alte und zum Teil umgestürzte Grabmäler stehen und das von viereckigen Absenkungen aufgelassener alter Gräber dominiert wird. 

 

Aus diesen Gräberfeldern erhebt sich das Rund des eindringlichen Mahnmals:

Mehr als 2.000 Menschen wurden in fünf Jahren ermordet, mindestens einer an jedem dieser verfluchten Tage. Viele von ihnen ließ man mithilfe des Hungererlasses hier wie anderswo einfach verhungern. 

 

Weil sie geistig oder körperlich behindert waren, Alkoholiker, Persönlichkeitsstörungen hatten, schizophren, psychotisch oder irgendwie anders einfach nicht ins "normale" Schema passten weil sie z. B. dement waren oder an Parkinson litten, wobei nicht sie die wahren Verrückten waren, sondern die, die meinten sich ein tausendjähriges Reich auf schierer tumber Menschenverachtung aufbauen zu können.

Genau an einem solchen Ort sollte man ernsthaft innehalten, ihn auf sich wirken lassen und mal ganz genau überlegen, welche Mitglieder aus der eigenen Familie, aus dem Kollegen- und Freundeskreis ein solches menschenverachtendes System einfach so ausradiert hätte.

 

Ich wette, jedem von Euch wird mit Erschrecken mindestens ein solcher Mensch einfallen. Darüber sollten wir uns alle klar sein - gerade heutzutage!

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Kommentare: 4
  • #1

    annette (Sonntag, 03 April 2016 19:06)

    ....und es soll doch alles so schnell vergessen werden, weil es doch angeblich schon so lange her ist.....mich gäbe es nicht und meinen jungen auch nicht, nicht meine geschwister.....weil wir jüdisches blut haben.....
    ich schicke dir liebe grüße uns danke fürs erinnern
    annette

  • #2

    ingrid (Sonntag, 03 April 2016 19:20)

    Vielen Dank für dieses Erinnern; in meiner Region geschah dies in Grafeneck auf der Alb, nicht so viele Menschen, weil große Unruhe in der Bevölkerung dann für die Mächtigen doch zu unruhig wurde; aber jeder ermordete Mensch war einer zu viel. Mit meinen 9ern behandele ich das Thema "Kirche im 3. Reich", mit Klein-Dokumenten aus der Region; Geschehnissen, die gut vorstellbar sind. Wer unter euch hätte mindestens Druck erfahren, habe ich gefragt.... und dann gesagt: Du, wegen dem, was du letzte Woche im Unterricht gesagt hast; Du, wegen der ehrenamtlichen Arbeit, die du und deine Eltern in ihrem Ort leisten, du... und so weiter....
    Die Fahrt nach Dachau beeindruckte die Schüler und Schülerinnen sehr,
    obwohl sie schon so viel wussten... so "krass" hätten sie sich das vorher nicht vorstellen können.
    Mit herzlichen Grüßen
    Ingrid

  • #3

    Elena (Sonntag, 03 April 2016 19:42)

    Danke Dir aus ganzem Herzen für diesen Eintrag.

    E.

  • #4

    Ev (Dienstag, 05 April 2016 21:32)

    Ihr Lieben,
    vielen Dank für Eure Antworten - um so mehr, als ich gar nicht zu hoffen wagte, welche zu bekommen.
    Auch in unsere Familie hätte solch ein System unübersehbare Löcher gerissen - jedes einzelne war und ist eines zuviel.
    Ich wünschte, wir hätten damals in den 70ern Lehrer gehabt, die uns nicht nur Fakten, Daten, Zahlen unterrichtet hätten, sondern ganz drastisch gerade so Schnittlinien aufgezeigt hätten!
    Ich bin in meinen Gedanken noch immer an diesem Tag und seinen Eindrücken ...
    Um so herzlichere von mir jeder von Euch,
    Ev