Einwecken

Über die Erntezeit hinweg weckte mein Großmutter so vieles ein: Kirschen, Erdbeeren, Mirabellen, Himbeeren, Johannisbeeren und das war beileibe nicht alles. Später im Jahr dann wurden die Gläser nach und nach geöffnet, brachten so den Sommer zurück auf die Teller.

 

Meine Mutter schon, wie so viele ihrer Generation, kochte nicht mehr ein und auch ich habe es erst in den letzten Jahren wieder für mich entdeckt, als ich damit begonnen habe, mir Gedanken über die Art der Verpackungen konservierter Lebensmittel zu machen. Nicht Kunststoff oder Metall ist für mich das Mittel der Wahl, am wohlsten dabei fühle ich mich einfach bei Glas. 

 

Auf einem Flohmarkt am letzten Wochenende fiel mir unter einem Stand ein Korb voller Weckgläser ins Auge und mittendrin stand dieses Schätzchen:

Ein Weckglas aus den 1920er Jahren. Am auffälligsten ist seine hohe, schlanke Form und der im Verhältnis dazu recht schmale Hals und Deckel. Heute sind die Gläser niedriger, breiter und dadurch auch die Öffnung und der Deckel.  

 

So sah ein solches Weckglas früher im Einsatz aus:

Quelle: "Neuzeitliche Kochkunst für Gesunde und Kranke", Herausgegeben von Dr. Karl Schantz und Georg Greindl, Verlag hauswirtschaftlicher und medizinischer Werke Carl Ehlers, ca. 1930er Jahre.

 

Sehr interessant, wie die Gläser damals ohne Klemmen eingekocht wurden: Schaut Euch mal den Einsatz im oberen Bild auf der rechten Seite an: Aus dem Einsatz heraus wurde der Deckel mit einer Spange auf das Glas gepresst. 

 

In Museen sind ab und an mal alte Weckgläser mit Inhalt zu entdecken, so wie dieses vom Weißbier- zum Marmeladenglas umfunktionierte im Handwerksmuseum Deggendorf:  

Wohlgemerkt ist nur das Weißbierglas aus der Zeit um 1900, denn auf dem Glasaufkleber kann man entziffern: Zwetschgen Marmelade v. 1.9.48.

 

Zum Einkochen allerdings werde ich mein Flohmarktweckschätzchen nicht nutzen - ich möchte es gerne bepflanzen.  

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Kommentare: 1
  • #1

    annette (Samstag, 26 März 2016 21:12)

    ....ich habe auch wieder angefangen einzukochen....hatte so viel obst geschenkt bekommen, dass es für marmelade zu viel war....ich hatte einen aufruf bei uns im ort gestartet und noch viele gläser erhalten, das war richtig toll....dein flohmarktfund ist wirklich sehr besonders....
    lg
    annette