Wolle kommt von wollen - nicht von brauchen

Wahlweise ausgesprochen: Freudig, genervt, mit einem großen AHA!, heimlich flüsternd eingestanden, verschämt, stolz.

 

Es soll sie ja geben, die Jüngerinnen der Wolllust, die ganz streng immer nur soviel Wolle im Vorrat haben, wie sie momentan verarbeiten. Allein, ich habe noch keine solche kennengelernt. Meine mich umgebenden Strick- und Häkelfreundinnen, mich eingeschlossen, verfügen alle über einen mehr oder minder beachtlichen Stash aka Wollvorrat. Ist ja auch kein Wunder, gibt es doch allenthalben unendlich viele HandfärberInnen und sich durch's Internet noch vielfältig potenzierbare Garneinkaufsmöglichkeiten, die ganz leicht schier ebenso unendlich erweiterbare Wollbegehrlichkeiten wecken, die nur noch einen Klick weit entfernt sind. 

 

Wer kennt sie nicht, die Freude, die so heiß ersehnten Lieferungen endlich auszupacken, das Ziel der Begierden endlich, endlich selber in Händen halten zu dürfen?!

 

Und dann? Dann wächst der Vorrat, der Stash, durch Schätze, die zu wertvoll scheinen, um sie durch klappernde Nadeln profan zu entweihen, nein, man hütet sie, manchmal sogar wie weiland die Großmutter das Sonntagsporzellan, hinter gläsernen Türen. 

 

Ja, Wolle kommt wahrlich von Wollen! 

 

Spätestens dann, wenn man sich in medias res in alle seine Stränge begibt und erschrocken feststellt, dass man erst von einem, dann von vielen anderen Strängen gar nichts mehr wusste, muss man sich der Tatsache stellen, dass man das, was man so unbedingt, hach, mein Wollherz, wollte, gar nicht mehr braucht, weil die Farbe oder das Material so gar nicht mehr mit dem gleich geht, was man mittlerweile schätzt und mag.

 

Genau dann taucht sie auf: Die Wolle, die man wollte und jetzt gar nicht mehr braucht!

 

Stimmte man vorher voller Inbrunst und Überzeugung in den Kanon "Nein, niemals werde ich mich auch nur von einem einzigen Strange trennen können" ein, stellt man nun fest, dass das schmerzhafteste an der Wolltrennung die ersten Gedanken daran sind. Hat man sich erst einmal mit ihnen vertraut gemacht, fällt die Scheidung vom einst so heiß Begehrtem auf einmal erstaunlich leicht.

 

Doch kann das die Lösung sein? Erst unbedingt haben wollen, Wolle kaufen, gut ablagern und dann mit mehr oder weniger Verlust, manchmal sogar mit Gewinn, wieder zu verkaufen? Temporär und partiell bestimmt ja. Ständiger Konsum und Dekonsum machen auf Dauer aber nicht glücklich und auch die besten FärberInnen können die Kombinationen der Koloration nicht ständig aufs Neue neu erfinden, sodass man im Laufe der Wolljahre zwar ihre unterschiedlichen Handschriften gut erkennt, aber immer wieder das eine oder andere Farbdéjà-vu erlebt, denn die eigenen -vorlieben und -leidenschaften sind sehr viel beständiger, als man es sich bewusst macht. 

 

Ja, ich wollte jeden einzelnen meiner Stränge, habe mich mittlerweile von einigen getrennt, aber brauche sie nun auf, jetzt sogar schamlos die Schätze, die mir unantastbar deuchten!

 

Nein, ich brauch mir kein Wollkaufverbot auferlegen, mag mir nicht selber die Lust an der Wollliebe nehmen, aber ich da ich mir mittlerweile wieder im Bilde bin, wieviel schöne Stränge im Wollvorrat lagern, gebe ich mich so schnell nicht mehr der Wollkauflust hin, wenn ich doch genau weiß, dass genau so eine oder ähnlich Färbung schon daheim auf mich wartet. Ich mag es, Wolle zu wollen, ich mag es, sie zu brauchen, besser noch, sie zu gebrauchen und da ich zugegebenermaßen einen ausgesprochenen Hang zur Schalomanie habe, nimmt es mich am allerwenigsten Wunder darüber, wieviele Schals, Stolen, Tücher ich in nunmehr 40 Jahren Wollliebe gestrickt und auch gehäkelt habe. Viele habe ich mit großer Freude verschenkt, noch mehr von ihnen trage ich mit der gleichen immer wieder, aber irgendwann ist auch für die größte Schalomanikerin Ende im Gelände - Lacewolle, und sei sie noch so schön, bewundere ich nur noch, muss ich aber nicht mehr haben. So um die fünf Schals, Stolen, Tücher möchte ich mir noch stricken und die Wolle dafür liegt in meinem Vorrat: einen Batad, ein Sonnenfeuer, ein Bindetuch, einen Tubularity, na, und einen Wunsch lass ich mir noch frei und dann wird fröhlich weiter verstrickthäkeltschenkt, was der Stash so bereit hält ;). Und wenn's mehr wird - pffft - was kümmert mich dann mein Geschwätz von heute?

 

Wolle kommt von wollen nicht von brauchen - Taschen mit dieser Wahrheit gibt's im Onlineshop von Das Mondschaf.  Leider hatte ich an ihrem Stand beim 2. Kurpfälzer Wollfest in Leimen  nur Augen für ihre wirklich wunderschönen Färbungen gehabt, sonst hätte ich mir bestimmt gleich dort eine mitgenommen. 

 

Schön war's beim Wollfest, das ich zusammen mit mir so lieben Menschen genießen durfte. Nicht mein allererste Wollfest, aber das allererste, bei dem ich meine Kamera bewusst daheim ließ, weshalb es keinerlei Festbilder von mir gibt. Die für mich richtige Entscheidung war das, denn es war so gut besucht, dass es zwischen den Ständen zeitweise so voll wurde, dass es am einfachsten war, sich nur noch mit dem Strom mittreiben zu lassen. Sehr genossen habe ich es, die unterschiedlichsten Qualitäten und Färbungen fühlen und sehen zu können, die kreativen Köpfe hinter den Namen zu erleben und einfach die ganze Atmosphäre dort. 

 

Natürlich habe ich das Fest nicht ohne Wolle verlassen und natürlich hatte ich auch dieses Mal diverse Projektmateriallisten dabei, zu denen ich mich von den angebotenen Garnen inspirieren lassen wollte. Mein Wahl fiel auf einen Parachutey und die Wolle dazu habe ich bei Sandra Farbenpracht und der lieben Sabine entdeckt:  

Oben: Vampirkuß

Unten: Zombie

 

Socken werden aus diesen beiden namenlosen:

Oben: Klarer Fall, ich liebe Rosa/Lila-Grün-Kombinationen (sic!) und gerade eine solche zusammen mit Blau habe ich noch nicht im Stash - Bingo, bester Kaufgrund ever.

Unten: Schlicht und einfach mein 2. Vorname, auch wenn es meine Mutter nicht erkennen wollte (den Namen der Blume - und ja, ich heiß wirklich auch so).

 

Und weiter ging es hiermit:

Oben links: Ein "Softy" von Danys verwickelte Farbträume, aus dem eine Sommertunika werden soll. Im Sommer trage ich gerne mal Weiß in Kombination mit zarten Farben und hoffe, dass das Ergebnis dann auch so wird, wie ich es mir jetzt schon vorstelle.

Unten rechts: Ein SoWo-Strang vom bereits oben erwähnten Mondschaf, den ich aus der 50 % off-Kiste fischte. Gelb, ausgerechnet Gelb, gibt's das? Anna und ich waren vor lauter Begeisterung über diverse Gelbfärbungen an den Ständen hin und her gerissen und das, obwohl wir doch ganz andere Farben mögen!

 

Wolle wollen und brauchen - kein Zweifel, es bleibt spannend!

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Kommentare: 7
  • #1

    Elena (Samstag, 12 März 2016 13:58)

    Hach, Du hast ja so recht! *schmunzel*
    Schade, daß es da, wo ich wohne, kein solches Wollfest in der Nähe oder im weiteren Umkreis gibt; ich täte dort mindestens genauso heftig zuschlagen wie .. eh schon wissen.. ;-)
    Danke für diesen Eintrag: toll geschrieben, lässt mich lächeln, macht mich froh..

    Viele Grüße
    E.

  • #2

    Angelika (Samstag, 12 März 2016 19:13)

    Liebe Ev´, das hast Du sehr anschaulich beschrieben ;-) Ich gehöre zu der scheinbar seltenen Spezies, die nicht über ein gut sortiertes Lager verfügen. Ich kaufe ganz gezielt und stricke selten an mehr als einem Projekt zur Zeit. Natürlich habe ich auch Vorräte, aber das sind entweder Geschenke oder Restknäuel von Projekten. Die habe ich gerade heute gut verpackt und meinem Junior mitgegeben. Er jobbt im Moment in einem Freizeitheim und dort sind die Kinder gerade dabei stricken zu lernen. Sie freuen sich über die Wolle und darüber, dass er stricken kann. Das beeindruckt auch die Jungs, die stricken eigentlich uncool finden ;-)

    Liebe Grüße
    Angelika von da, wo der Norden aufhört

  • #3

    Ev (Sonntag, 13 März 2016 09:33)

    Liebe Elena & liebe Angelika,
    sooo schön, sooo liebe Kommentare zu bekommen auch und gerade nach einer kleinen Blogauszeit ;).
    Ich seh schon: Elena geht es wie mir, Angelika, Du bist endlich mal eine Strickerin, von der ich weiß, dass der Stash nicht so drückt.
    Ja, Wolle hab ich auch schon in der Kindergarten gegeben und das war auch mir eine Freude und strickende Jungs, die finde ich einfach cool!
    Herzliche Euch zwei beiden Lieben,
    Ev

  • #4

    Sabine (Dienstag, 15 März 2016 14:33)

    EV, Du bist so göttlich.......:-*
    Es war so schön Dich mal wiederzusehen!
    Grüßchen Sabine

  • #5

    Christine (Dienstag, 15 März 2016 17:59)

    Liebe Ev, ganz wunderbar hast du das beschrieben! Ich bin ja während des Einkaufs meist ganz überzeugt, genau diese Wolle zu brauchen... Und so entstand ein ziemlich großes Wolllager, dessen Inhalt mich nicht nur inspiriert. Manchmal muss ich nach einer Verwendung/einem Verbrauch richtig suchen.
    Viele Grüße, Christine

  • #6

    Ev (Freitag, 18 März 2016 06:38)

    Liebe Sabine & liebe Christine,
    ganz lieben Dank Euch für Eure Wörter - hab mich riesigst darüber gefreut!!!
    Meine herzlichsten Euch,
    Ev

  • #7

    Danny Sierig (Sonntag, 27 März 2016 23:27)

    Das hast du schön ge-/beschrieben! Köstlich, deine erfrischende Schreibweise!... Habe diese Taschen mit dem Spruch auf der Creativa in Dortmund gesehen und auch eine gekauft! Ich produziere meine Wolle selber, aber das Wolllager ist eher mir Rohwolle und Vlies gefüllt, weil das Spinnen so viel Zeit in Anspruch nimmt, da kann beim Stricken doch schon das Brauchen von Nachschub auftreten. Ansonsten geht es mir aber auch so mit den Vorräten! Also viel Spaß noch beim Wollen, wenn du Lust hast schau mal in meinem DaWanda-Shop vorbei! Herzliche Grüße Danny (Daniela)