Apfel-Tage

In meine bayrische Kindheit gehören unverbrüchlich Omas Weihnachtsäpfel, die sie uns zum Nikolaustag und zum Heiligen Abend schenkte. Klein waren sie, knackig, würzig, kräftig rot und und das Rot zog sich auch in zarten Schleiern durch ihr aromatisches Fleisch.

 

Ich erinnere mich an einen Herbst, als ich so 8 - 9 Jahre alt war. Ich saß auf der Schaukel, in der einen Hand eine gebutterte Scheibe mit frischem Graubrot, in der anderen einen grünschaligen Apfel von einem der Bäume im Garten. Abwechselnd biss ich ein Stück ab: Butterbrot, säuerlicher Apfel, Butterbrot, während ich mich in den kühlen, grauen Abend wiegte. 

 

In unseren westfälischen Jahren klebte die Schützenfestluft süßlich, gärend vom Apfelkorn und trug sich durch die Uniform meines Vaters bis in unsere Wohnung. Ich hasse diesen Geruch und das was der klare Schnaps aus den Menschen macht bis heute. 

 

Irgendwann in der Pubertät kotzte ich mir nach einem Glas Apfelsaft regelrecht die Seele aus dem Leib. So schlimm schoss es durch Mund und Nase, dass ich den Saft bis heute nur als gut verdünntes Schorle trinke. 

 

Irgendwann begann ich auf Äpfel allergisch zu reagieren, weshalb ich sie nur noch geschält essen konnte und ihnen für viele Jahre nur noch sehr misstrauisch begegnete. 

 

Apfelmus konnte ich nie etwas abgewinnen: Zu labbrig, zu süß, zu wenig Aroma. 

 

Aber so 2 - 3 Mal im Jahr Apfelküchle und sehr viel öfter Apfelkuchen in unterschiedlichsten Varianten hole ich sehr gerne aus dem Backofen. 

 

Meine Apfelliebe erwachte schlagartig mit unserem ersten Urlaub in Tschechien. Eigentlich kein Wunder, kommt die Familie meiner Mutter doch aus Gablonz an der Neiße (heute Jablonec nad Nisou), das den Apfelbaum in seinem Stadtwappen trägt: 

Kein Wunder, dass er bei der Gablonzer Schmuckhandwerksgeschichte im Bijouterie-Museum MUZEUM SKLA A BIŽUTERIE sogar in Strass gefasst glitzert:

Wir haben unsere Urlaub in Tschechien nicht in einem chicen Hotel verbracht, sondern ganz bewusst in einem sehr ländlich gelegenen Ferienhaus, um so wirklich ein Gefühl für Land und Leute zu bekommen und noch niemals zuvor sah ich so viele unterschiedliche Apfelbäume wie auf unseren ausgedehnten Fahrten und Ausflügen. Immer wieder wurden die frischen Äpfel direkt an der Straße zum Kauf angeboten, gerade so, wie sie geerntet wurden: Klein, groß, mit glatter und mit rauher Schale, Gelb, fast Weiß, Rot in allen Schattierungen bis hin zu einem fast dunklen Lila und hier biss ich das erste Mal wieder in frische Äpfel. So verlockend waren sie, dass ich sie vorher nicht schälte und außer wundervollen unterschiedlichen Aromen passte genau eines: nämlich nichts!

Ich konnte mein Glück kaum fassen - mittlerweile kann ich auch wieder Äpfel mit Schale essen, reize das aber nicht aus und mache es nur dann, wenn ich weiß, dass die Äpfel wirklich völlig unbehandelt sind. 


Mein Mann schenkte mir daraufhin ein Apfelbäumchen. Nicht einfach irgendeines, sondern ein ganz besonders. Eines das im Frühjahr unglaublich farbintensive Blüten mit einem feinen Rosenduft trägt:

Im Herbst trägt es Früchte von einem tiefen Dunkelrot:

Und sein Fruchtfleisch ist säuerlich und rot. Rot wie die Liebe - Apfelliebe ♥:

Der Herbst ist nun da und mit ihm die Zeit der Apfelernte. Kein Tag vergeht nun, an dem ich nicht mindestens einen frischen Apfel esse, aber ich konserviere mir auch ihren Duft, ihren Geschmack, und all das, was sie ausmacht:

Ich verarbeite alle möglichen Äpfel, aber auch meine heißgeliebten Roten, von denen ich dieses Jahr endlich welche ernten konnte:

 

Im kleinen Gläschen ganz hinten links im Bild und auf dem Löffelchen vorne links ist eine pikante Zwiebel-Apfelmarmelade, die ganz wunderbar auf einem Stückchen Bergkäse schmeckt, aber z. B. auch zu einem Rindersteak. Abgerundet habe ich sie in diesem Jahr mit Senfkörnern, Thymian, Knoblauch und Ingwer. 

 

Im Glas hinten in der Mitte, das, das man nicht so genau sieht, das mit dem bräunlichen Inhalt, ist Apfelmus aus unterschiedlichen hellen Äpfeln. Aber nicht irgendein ganz normales Apfelmus, sondern das bonfortionöse Ofenkaramelisierte Apfelmus nach dem unvergleichlichen Rezept aus dem Blog "Grain de Sel". Da ist nichts von labbriger Übersüße zu merken. Pastös ist es in seiner Konsistenz mit dieser traumhaften Karamellnote und das ohne weiter unnötige Zuckerzugabe! Meinen große Bratreine habe voll gefüllt mit Apfelstücken, zwei Vanilleschoten ausgekratzt, das Mark und die Schoten mit dazu gegeben, dazu drei Stückchen frischen Ingwer, zwei Sternanis und zwei schwarze Korianderschoten, wodurch es einen himmlischen orientalischen Touch bekommen hat. Eine wahre Gaumenfreude! Ich habe mich an den Rat gehalten und die Gläser nach dem Füllen für 20 Minuten in einem wassergefüllten Topf eingekocht, damit dem kostbaren Inhalt auch wirklich ja nichts passiert, bis er für unvergleichliche Gaumenfreuden sorgen wird!


Im dritten Glas, rechts vom Apfelmusglas und auf dem Löffelchen rechts im Bild ist Apfelmarmelade. Aufgrund der in diesem Jahr noch recht überschaubaren Ernte nur zur Hälfte mit meinen roten Äpfeln, zur anderen Hälfte mir weißfleischigen Äpfeln. Pur eingekocht, ohne weitere Geschmackszugabe und unglaublich apfelig lecker - sogar Herr Ev ist sehr angetan, was bei ihm nicht selbstverständlich ist. In Tschechien war es, dass ich das erste Mal Apfelmarmelade aß und so entstand der Wunsch, es mit eigener zu probieren. Ich habe die Äpfel dafür lediglich in Stückchen geschnitten, weil ich eine solche rustikale Marmeladenkonsistenz sehr mag, habe sie für einige Zeit im Gelierzucker 1:1 ziehen lassen und dann fertig gekocht. 1:1 Gelierzucker deshalb, weil der ohne weitere Zusatzstoffe, wie z. B. Fett, wie in 1:2 und 1:3 enthalten, auskommt. Die Marmelade lässt sich, auch wenn das Bild etwas anderes vermuten lassen könnte, übrigens sehr gut verstreichen.


Apfeltage gab und gibt es aber nicht nur als Schatz im Glas, sondern auch als Kuchen. So wie hier ein Apfelkuchen mit Nusshaube, von dem es nur ein ganz einfaches Bild gibt, so schnell war er wieder verschwunden:

Und da er erst angefangen hat, der Herbst, werden sicher noch ganz viele andere Apfelmomente folgen ;).

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Kommentare: 2
  • #1

    Jana (Samstag, 26 September 2015 06:23)

    Oh, liebe Ev, was für ein appetitlicher Post! Gestern kochte ich - neben Zierapfel-Gelee - auch würzige Apfelbutter nach Art der Amish aus kleinen roten Zieräpfelchen mit dunkelrotem Fruchtfleisch. So köstlich! Deine herzhafte Zwiebel-Apfel-Marmelade soll es denn heute werden. Danke für diesen feinen Tipp!
    Herzlich
    Jana

  • #2

    Elena (Samstag, 26 September 2015 18:18)

    Ein wunderschöner Eintrag, liebe Ev!
    Und mir läuft nun das Wasser im Munde zusammen... ;-)

    Viele Grüße
    Elena