Sommernachtstraum

Die Strickerin denkt, überlegt, plant, strickt. Sollte man denken. In Wahrheit ist es dann doch immer wieder mal so, dass sie denken, überlegen, planen, stricken möchte, allenthalben aber von einer plötzlich und unerwartet auftauchenden Stricklust überrannt und -stimmt wird, der sie nachgeben muss, will sie nicht das letzte Fädchen Strickverstand verlieren. 

 

Damit in ganz Anleitungen und Garnzurechtlegungen so gemein hineingegrätscht werden kann, braucht es nur ein einziges Bild eines Strickwerks: In meinem Fall des Tuchs Sommernachtstraum - schon das erste oben links reichte für ein Zucken des Strickfingers!  

 

Mir war klar, ich kam nicht dran vorbei, obwohl ich mir schon beim Viajante geschworen hatte: "Kein großes Stricktuch mehr in mindestens diesem Jahr!" - aber was kümmern mich schon meine Strickschwüre vergangener Tage?!

 

Richtig. 

 

Nix!

 

Dieses Tuch wollte ich haben. Unbedingt! Die Frage war nur: Mit welchem Garn? Mich aus meinem Stash zu bedienen lag nah, aber nicht die zündende Idee dazu, weshalb ich mir bei  Fischer Wolle in Babenhausen erst einmal das Originalgarn in all seinen Färbungen anschaute und was ich sah gefiel mir gut, aber halt eben nur gut. In der linken Hand hielt ich einen türkisschattierten Wollbobbel, in der rechten einen in Rosa und da tauchten sie plötzlich einfach so vor meinem imaginären dritten Auge auf, die zwei Mondschaf-Stränge, die sich, ohne dass ich das beim Kauf beabsichtigt hatte, so ähnlich sahen, obwohl ich denen einen bei der Nadelwelt 2014 und den anderen beim Wollfest 2015 erstanden hatte:  

 

Einen großen Farbunterschied beim Tuch würde die Verarbeitung der beiden Stränge nicht ergeben, was mir aber wiederum, so fast ein ein bisserl monochrom, sehr reizvoll erschien. Vor allem ein zartes Tuch sollte es werden, eines, das sich mit jeder Bewegung nicht vorrangig farblich verändert. 


Die Garne


Das Mondschaf - BFL Lace, 100 % Wolle, 100 g/800 m LL:


Das Mondschaf - Alpaka Seide Lace, 70 % Alpaka und 30 % Seide, 100 g/800 m LL:


Und gekurbelt wirkten sie schon wieder etwas anders als im Strang:

 

Die Anleitung

Die Anleitung für den Sommernachtstraum ist von Tanja Steinbach und wurde von ihr als ARD Buffet Sommer Knitalong vorgestellt. Dieser KAL rauschte komplett an mir vorbei, ist aber auch kein Wunder, denn wenn das ARD Buffet im TV läuft, bin ich in der Regel mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Ich sah das Tuch zum ersten Mal bei ravelry und las mich von dort aus in alle weiteren Infos hinein. Die Anleitung gibt es für eine kleinere und eine große Variante, downloaden kann man sie hier über Tanja Steinbachs Blog.  


Ich entschied mich für die kleinere Variante, kann aber jetzt im Nachhinein sagen, dass das Garn auch für die größere gereicht hätte, dann aber hätte das Tuch Dimensionen angenommen, in denen ich regelrecht verloren gegangen wäre ;) - alles gut so also, wie es jetzt ist.


Die Anleitung selbst ist sehr ausführlich geschrieben, lässt keinerlei Fragen offen, alles kann sehr gut nachvollzogen werden. Vielen Dank Frau Steinbach, dass Sie sie auf diesem Weg frei und offen mit allen Interessenten teilen. Das ist wirklich ganz große Klasse!


Die Ausführung

Gestrickt habe ich das Tuch mit einer 3,5er Rundstricknadel und sehr, wirklich sehr locker, was mir zu Beginn nicht gerade leicht fiel, aber von Reihe zu Reihe besser funktionierte. Besonders jeweils zum Reihenanfang und -ende empfiehlt es sich, noch lockerer als eh schon zu stricken, damit das Tuch zum Ende auch wirklich gut aufgespannt werden kann. Beim Stricken entwickelt sich der Beginn zu einem kleinen Buckel, der sich bei mir zum Schluss nach dem Entspannungsbad und dem Spannen beim Trocknen sehr gut relativiert hat. Bei der Rüsche am Schluss hatte ich dann insgesamt 903 Maschen auf der Nadel, was sich aber mit dem Wechsel von 3 M rechts und 3 M links sehr gut hat abarbeiten lassen. Unerlässlich sind für das Tuch wirklich das Entspannungsbad und das Spannen, wodurch es natürlich noch größer und so wie von mir von Beginn an gewünscht, filigran wird. 


Die Garnwahl habe ich nicht einen Moment bereut, die beiden Färbungen harmonieren wundervoll miteinander und da ich die flutschigere Seidenmischung pur mittig verarbeitet habe, rutscht es auch nicht einfach seidig von der Schulter, sondern bleibt dank dem zarten Blue Faced Leicester-Garn sanft dort liegen, wo es hingelegt wird. 


Ganze 102 Gramm wiegt mein fertiger Sommernachtstraum. Übrig blieb so von beiden Strängen mehr als die Hälfte, ein weiteres Tuch ließe sich so problemlos noch einmal stricken.


Stricken ist halt doch auch das, was passiert, während man eifrig damit beschäftigt ist, Anleitungen zu wälzen und Garne zu sortieren.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Tanja (Samstag, 22 August 2015 19:12)

    Sehr gut getroffen und das Tuch ist auch ganz zauberhaft geworden!

  • #2

    Ev (Montag, 24 August 2015 20:27)

    Liebe Tanja, ganz herzlichen Dank für Deinen lieben Kommentar - freut mich sehr!