Die Frau im Mond

von Milena Agus.  


Manche Bücher reißen Dich mit wie ein wilder Fluss. Durch andere musst Du Dich kämpfen wie durch karstiges, schrundiges Gelände. Manche zwingen Dich in eine Zange aus Angst, lassen Dich träumen, wieder Kind sein, lernen. Manche schützen Dich vor dem Leben, geben Dir Halt, Offenbarung. Du lernst aus und mit ihnen. Sie lassen Dich mutig werden oder schwach. Sie nähren Deine Kreativität, bereichern. Lassen Dich weinen, lachen, schreien, schmunzeln. Manche lassen Dir keine Wahl, werfen mehr Fragen auf, als Antworten zu geben. Sie nehmen Dich mit, Du gibst Dich hin, wehrst Dich, kämpfst mit ihnen, lassen ihre Buchstaben verschwinden und schenken Dir stattdessen ihre Bilder. 


Diese Buch zu lesen, ist wie das Essen einer Artischocke. 


Die Geschichte entblättert sich mit jeder Schuppe mehr, die von ihr gezupft wird. Mit jeder Seite streifen Deine Zähne mehr Substanz ab, wird sie fester und greifbarer, bis Du das Heu entfernst, der nun nackte Boden vor Dir liegt und Dich alles schmecken lässt, was ihn ausmacht: Herb, fleischig, bitter, unverwechselbar sinnlich. 


Dieses Buch ist eine Blüte, die wert ist, langsam und in völliger Gründlichkeit betrachtet und genossen zu werden!

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