Mein 2. Diabetes-Großkampftag

Acht Stunden hing ich an der Nadel.


Auf meine Vene links war Verlass, kooperativ und freundlich wie sie immer ist. Die rechte war mal wieder zickig und nachdem die Spezialärztin Hand anlegte, weiß ich jetzt, dass sie nicht nur sehr dünn ist (die Vene, nicht die Ärztin), sondern auch noch sehr tief liegt, weshalb meine Hand dran glauben musste:

Rechts hing ich temporär tatsächlich gleichzeitig an drei Schläuchen, der Zugang links diente der ständigen Blutkontrolle und am Schluss auch noch für den letzten 1/4 l Infusionsflüssigkeit, nachdem ein Teil davon in mein Unterarmgewebe entwich.


Neben vielen mit Blut gefüllten Röhrchen wurden von links auch 100 Blutzuckerteststreifen zur ständigen Kontrolle meines Zuckerwertes verbraucht. Dieser Clamp-Test war sehr interessant für mich, am meisten Angst hatte ich tatsächlich vor dem Legen der Nadeln. Nicht nur die Ärztin, die mich während der gesamten Zeit betreute, war unglaublich freundlich und nett! Ich weiß jetzt auch, wie es sich  anfühlt, wenn ich in den Unterzuckerbereich gerate, was mich hat erkennen lassen, dass mir das im letzten Jahr doch schon zwei Mal passierte, ohne das ich wusste, dass da wohl schon mein Diabetes an die Tür klopfte. Wie lange er schon da ist, das kann mir niemand sagen, aber ich hatte großes Glück, dass meine Hausärztin eine solche Spürnase hat, gerne auch mal um die Ecke denkt und Verdachtsmomenten auf den Grund geht, selbst dann, wenn sie davon ausgeht, dass das Ergebnis bestimmt nicht positiv ist. Was es bei mir dann doch war. Mein Diabetes wurde sehr früh erkannt, trotz einem HbA1c-Wert, der sich in einem völlig unauffälligem Normbereich bewegt. Eine schriftliche Auswertung liegt noch nicht vor, aber mein Körper produziert noch gut Insulin, worüber ich mich sehr freue! 


Nach 8 Stunden bekam ich eine Portion Krankenhausessen und darüber decke ich  gerne den Deckel des Schweigens ... hätte ich doch bloß auf meinen Mann gehört, der am Abend vorher sagte, ich solle mir selber was mitnehmen. Natürlich habe ich darauf auf dem Heimweg mit durchschlagender Wirkung reagiert und natürlich war ich doppeltblöd, denn ich hätte mich von ihm abholen lassen sollen, statt selber hinterm Lenkrad zu sitzen. Ärztlichen Anweisungen, Traubenzucker und Wasser sei Dank kam ich noch recht wohlbehalten daheim an, um dann meiner eigenen Toilette die Hand schütteln zu können. Diese Art "Essen", die gar nicht mehr vor Ort frisch gekocht, sondern nur noch aus dem Plastikbeutel befreit wird, um es aufzuwärmen, ist wirklich alles andere als gesundheitsfördernd. Als zu süßer Allergiker habe ich da wirklich die Arschkarte gezogen, daran lässt sich leidern nichts ändern. Den Großteil der Studienuntersuchungen haben ich nun hinter mir, es folgt noch ein kleinerer Termin und ein Ganzkörper-MRT. Ich bin schon sehr auf die gesamten Ergebnisse gespannt. Es fällt mir nicht leicht, die Diabetes für mein Leben anzunehmen, aber ich bin sehr motiviert, alle Informationen auszuschöpfen die ich bekommen kann, um mit ihr so gut wie möglich leben zu können. 


Ich kann Euch nur raten, vor diesem Thema nicht die Augen zu verschließen. Unterschiedlichen Schätzungen nach geht man in unserem Land von mindestens (!!!) drei- bis vier Millionen (!!!) unentdeckten (!!!) Diabetikern aus. Und setzt nicht auf dem Trugschluss auf, dass das vor allem dicke Menschen betrifft. Ja, viele Diabetiker sind übergewichtig, aber eben nicht alle. Und gerade gestern hatte ich eine Begegnung mit einer Frau meines Alters, sehr schlank, sehr sportlich, sehr chic, sehr gesund lebend und ohne Genussmittel, dafür aber nun mit katastrophalen Blutdruck- und ebenso katastrophalen Blutzuckerwerten. 


Informiere Dich, lass Dich testen und versuche, über Deine Lebens- und Ernährungsgewohnheiten nachzudenken. Hat sie sich erst einmal manifestiert, wird sie Dich bis an den Rest Deines Lebens begleiten. Es liegt an Dir, damit umzugehen. Und ganz ehrlich: Einfach ist das nicht, aber auch kein Grund, vor ihr zu kapitulieren. 

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