Diabetes ist da - und wo bin ich?

Fast einen Monat her, dass ich erfuhr, dass ich zu süß bin. 

 

Seither habe ich mir viele Gedanken gemacht, mich viel unterhalten, viel gelesen, mir Information aus vielen Quellen geholt.

 

Sprich mit zehn Diabetikern und Du hörst von zehn unterschiedliche Diabetesversionen. Sprich mit mindestens zwei Ärzten - mindestens - und vielleicht geht es Dir so wie mir:

 

Der eine Arzt empfiehlt Low Carb, am besten gleich Paleo, so wie bei seiner Verwandten, die sich gestern 1/2 Kilo Lachs in Sushi-Qualität holte und das gleich so ohne alles nach dem Auspacken aß und jeden Schwur auf diese gesunde Ernährung schwört. So wie er mit seinen Pülverchen. 

 

Der andere Arzt schlug ob dieser Schilderung die Hände über dem Kopf zusammen, denn ohne Kohlehydrate geht für den Diabetiker gar nichts! Never ever! Trinken sie Saft, Frau Ev? Ja, ab und zu mal, so ca. 30 ml auf einen halben Liter, manchmal bekomme ich mein Wasser nur so runter. Wissense was, Frau Ev? Lassen sie den Saft ganz weg - braucht kein Mensch, Diabetiker erst recht nicht. Boah, nee, und dass, wo ich mich eh zum Trinken zwingen muss, weil ich einfach keinen Durst bekomme und so manchmal erst abends merke, dass ich den Tag über noch nicht mal einen halben Liter getrunken habe ... 

 

Ich muss an meinem Essverhalten arbeiten, das noch nie normal war. Die eine Hälfte meines Lebens zu groß für mein Gewicht, die andere zu klein dafür ... und obwohl ich ganz viel selber mache, auf Conveniencefood verzichte, wo es geht, muss ich mir doch eingestehen, dass mir das süße Essen so zur Gewohnheit geworden war, dass ich es selber gar nicht mehr bemerkte, was ich da regelmäßig alles gegessen habe. 

 

"Selber schuld, Du bist ssssselber schuld" sagt der Gollum in meinem Kopf, den mir meine Ärztin, wäre es so leicht, schon längst ohne Betäubung gezogen hätte, denn der ist ein fieser Geselle, un- und kontroproduktiv, sprich, völlig überflüssig, denn und da kommt die Genetik ins Spiel, leider auch die vom Gollum und was da in dieser Hinsicht war oder nicht, lässt sich nicht beantworten, nur mutmaßen. Darüber nachzudenken bringt auch nichts, denn ich bin jetzt zu süß. Punktausende. 

 

Eine Ernährungsberatung wäre hilfreich, mit meiner jetzigen Krankenkasse aber nicht so wie mit einer anderen, weshalb auch da ein Wechsel ansteht, denn ich kann noch so sehr lesen, ich brauche praktische Hilfe und die in Anspruch und anzunehmen, ist alles andere als ehrenrührig. 

 

Ich bekam ein Medikament und nahm es tapfer 12 Tage lang - mit heftigen Magen-Darm-Nebenwirkungen und, noch heftiger, so schlimmen Übelkeitsattacken, dass ich Tage dabei hatte, wo ich vor und nach jedem Toilettengang nur noch heulte, bis meine Ärztin eine Schlussstrich zog und die Tabletten wieder absetzte. Das ist das Gute daran. Das Schlechte: Bei meinen Werten, der Tatsache geschuldet, dass der Zucker in meinem Blut sehr früh entdeckt wurde, früher als bei den allermeisten anderen Patienten, gibt es momentan keine andere medikamentöse Therapie. Ja, wie jetzt?! Dass ich Diabetikerin bin, hatte ich bis dahin halbwegs verdaut, aber ohne Behandlung?! Geht das? Wenn ja, wie? Und überhaupt? Tja, überhaupt erst mal so, Frau Ev, dass sie ihre Ernährung umstellen und in einigen Wochen zur regelmäßigen HbA1c-Kontrolle kommen und dann sehen wir weiter.

 

Hmpf. 

 

Ehrlich? Ehrlich: Auf das süße Zeugs zu verzichten, dass ich sonst so aß, das fällt mir leichter als gedacht. Aber mich verfolgen die Gedanken an Chips. Salzige, knackige, knisprige Chips.

 

G-r-a-u-e-n-h-a-f-t!

 

Ich hangle mich mit dem Satz "Morgen könnte ich Chips essen" durch manche Tage und wenn ich am nächsten Tag in Sichtweite eines Chipsdealers vorbei komme, sage ich mir "Heute nicht, aber morgen könnte ich Chips" essen. Funktioniert. Ist blöde. Aber funktioniert. 

 

Und ich habe einen Heißhunger auf frisches Obst - ein Erdbeeren ist kein Vorbeikommen mehr. In allen möglichen Varianten, heißt: So wie sie sind. OHNE Zucker. Die von heute gibt's morgen kleingeschnibbelt zu selbstgemachten Sagokokosmilchpudding, der gerade noch auf der Herdplatte vor sich hin zieht. Gab es dieses Jahr aber auch schon zu körnigem Frischkäse (nur Zimt drauf), zu Joghurt und körnigen Haferflocken, zu süßbefreitem Müsli, als zuckerreduzierter Kuchen, zu Milchreis und zitronigem Quark und als Obstsalat mit Apfel und Mango.

 

Durch meine Allergien bin ich sowieso schon eingeschränkt, kann nicht alles essen, was nicht immer leicht ist, deshalb wird dieses Jahr definitiv noch eine Ernährungsberatung folgen, damit es gesund für mich bleibt, der Genuss nicht zu kurz kommt und die Abwechslung.

 

Der nächste große Schritt wird der erste Termin der Diabetes-Studie sein, an der ich teilnehmen kann. Der 3. Tag wird der härteste für mich werden, dazu dann aber mehr, wenn er rum ist - und dann weiß ich hoffentlich auch wirklich mehr darüber, wie mein Körper nun und noch funktioniert - mit Diabetes!

 

Keine Bange, Angela, zur klapperdürren Sportnase (ich weiß genau, was Du meinst) will ich definitiv nicht werden :)!  

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    nosupermom (Mittwoch, 27 Mai 2015 07:21)

    Hallo Ev, hast du schon einmal daran gedacht, ein Diabetes-Tagebuch zu führen? Es gibt da ganz tolle Software, die sowohl online als auch auf dem PC als auch auf Smartphones funktioniert. Google mal nach SiDiary. Vielleicht könnte das hilfreich sein, um dir die Kontrolle über dein Leben zu geben.

  • #2

    Ev (Donnerstag, 28 Mai 2015 20:55)

    Hey zurück ;), ich danke Dir für den tollen Tipp - ich geh jetzt googeln!
    Herzliche Dir,
    Ev