Brot

Brot ist eines unserer/meiner liebsten Lebensmittel. Gutes Brot. Echtes Brot. Nicht so schlecht gelungener Pseudoersatz aus dem "Back"shop oder dem Discounterauf"back"automat. Für mich hat das, was da raus kommt, nichts mehr mit Backen zu tun und erst recht nichts mehr mit Genuss.

 

Das Bäckerhandwerk ist eines unserer ältesten und wichtigsten - auch wenn viele sich dessen nicht mehr bewusst sind.

 

Denkt man so 10 - 15 Jahre zurück, dann hatten auch kleine Orte noch ihren eigenen Bäcker - zumindest war das hier bei uns im Kraichgau so. Als wir in unseres zogen, gab es hier ganze drei Bäcker, die alle noch richtig selber gebacken haben. Frisch gebackenes Brot hat so einen unvergleichlichen Duft und resche Semmeln gehörten zu unseren Samstagen. Manche Bäcker hatten so ihre ganz speziellen Backwaren, für die sie geliebt wurden. Mir fällt da spontan der Berches unserer einen Bäckerei ein ... eine schöne Erinnerung, aber auch eine traurige. Der Bäcker bekam eines Tages einen Schlaganfall und nicht sehr lange danach wurde der Laden geschlossen. Das Bäckerehepaar war schon alt und kein Nachfolger da, der hätte übernehmen können. Das mit dem Übernehmen ist sowieso nicht so einfach mit all den Vorschriften, die mittlerweile erfüllt werden müssen. Dazu noch die Arbeitszeiten, die sich viele heute nicht mehr antun wollen. Und dann noch die Konkurrenz der Discounterpest, wo man alles auf einmal und ohne lange Wartezeit auch noch warm bekommt. Es hat schon einen Grund, warum deren "Back"automaten entweder direkt nach dem Eingang aufgestellt sind oder ganz in der Nähe der Kasse. So manch einer ist geruchsgesteuerter, als ihm bewusst ist. Da hängt so ein "Brot" in der "Back"warteschleife und schon werden perfide die Geruchs- und Geschmacksrezeptoren angeregt, das Wasser läuft im Munde zusammen und der Appetit wird so groß, dass man hier und jetzt und SOFORT ... statt zum richtigen Bäcker weiter zu gehen, den es hoffnungsvoll vielleicht doch noch ganz in der Nähe gibt. Ein Trauerspiel, wenn in einem solchen um 17:00 Uhr Kunden vor dem Verkaufstresen stehen, die sich lauthals darüber beschweren, dass es um diese Uhrzeit keine warmen, frisch gebackenen Brezen mehr gibt. Ein Verdummen vor vollen Brottrögen, anders kann ich das gar nicht mehr sagen. 

 

Ja, nee, man will sich ja gesund ernähren: Ohne Gluten, dafür mit viel Eiweiß, damit man keine Weizenwampe bekommt. Vegan muss es sein und Bio. Mindestens. Nur schnell muss es gehen, weil man keine Zeit hat und mehr kosten wie im Discounter darf es dann auch nicht, tut es aber, weshalb die Bäcker sehr schuld sind, dass man dann dorthin geht, wo man es frisch & warm & schnell bekommt. Etwas was immer da, frei, verfügbar ist, wird beliebig. Wird zur Masse, zur Einheitlichkeit. 

 

Ein Trauerspiel. 

 

Habt Ihr schon mal ausprobiert, wie sich Brote verhalten, wenn sie altern? Bei uns werden Backwaren immer wieder auch das: altbacken. Weggeworfen wird es dann nicht, es wird halt anders verwertet: zu Paniermehl zum Beispiel, Brotsuppe oder Semmelknödel. Versucht das mal mit einem Brot, das nicht mehr hart wird und dann fragt Euch mal, warum das so ist und ob man das seinem Körper antun möchte. 

 

Wir essen gerne Brot. Gutes von richtigen Bäckern. Und den Preis dafür zahlen wir gerne. Wir probieren gerne aus und unterstützen regionale Erzeuger. Nicht nur, aber auch beim Brot. Vor einiger Zeit fuhren wir deshalb nach Edingen-Neckarhaus zur Bäckerei Kapp - Artisan boulanger. Der Bäcker Peter Kapp ist ein Backhandwerker im besten Sinne des Wortes und sein Backwerke sind schlicht zum Niederknien köstlich!

 

Ein besseres Fougasse wie sein Fougasse Riviera habe ich auch in Frankreich selbst noch nie bekommen! Sagenhaft gut!  

 

Die Geschmäcker von meinem Mann und mir können sehr unterschiedlich sein, aber in Bezug auf die Bäckerei Kapp sind wir uns absolut einig: Unvergleichlich gut - die knapp 50 km hin und dann auch wieder zurück, die nehmen wir gerne immer wieder in Kauf! Verrückt? Für den einen oder anderen bestimmt, mit Sicherheit für jeden, für den Brot keinen solch hohen Stellenwert hat. Wir kaufen dort nicht nur für uns ein, empfehlen aber jedem, sich selbst ein Bild zu machen, hinzugehen, sich beraten zu lassen, zu kosten & zu schmecken. 


Übrigens: Von Peter Kapp gibt es auch sein Brotbackbuch "Mein Brot - Rezepte ohne Kompromisse". Mein Mann kam nicht dran vorbei und wir werden das ausprobieren, wie wir das hinbekommen werden. 

Von links nach rechts:

- Olivenbrot Terra Madre Olive Thym - Kommt für mich gleich nach dem Oliven-Fougasse. Schmeckt nach Provence, einem Sommertag am spanischen Mittelmeer und einfach nach mehr.

- Baguette mit Sepia und Cranberry -  Sehr wild, sehr experimentell, herb-süßer Geschmack und ein perfekter Begleiter zu einem Rohmilchkäse. Hier hinein zu beißen kostet mich noch nicht mal einen Bruchteil der Überwindung, die ich für einen dieser momentan so hippen und künstlich eingefärbten Regenbogenkuchen bräuchte.

- Sauerteig Gourmet-Stange -  Sehr lecker und sehr überraschend, denn im Gegensatz zu konventionellem Sauerteigbrot hat mein Mann hier überhaupt keine Probleme mit dem Magen.

- Prachtvolles Weizenmischbrot - auch älter und getoastet voller Genuss & Geschmack!


Nicht hartes Brot ist hart - kein Brot, DAS ist hart!

Kommentare: 0 (Diskussion geschlossen)
    Es sind noch keine Einträge vorhanden.