Altes Handwerk

Für alte Handarbeitsutensilien habe ich immer ein offenes Auge und stöbere danach am liebsten auf Flohmärkten.

 

2010 besuchte ich mit Herrn Ev das Hohenloher Freilandmuseum in Wackershofen und verliebte mich dort in dem Häusle, das so wie in den 50er Jahren eingerichtet ist, in diesen Stopfpilzständer:

Wer mich kennt, weiß wie sehr mein Herz für hölzernes Handwerk schlägt, aber auch für Fliegenpilze und dieser Stopfpilz hier auf dem Holzständer trägt auch noch, wie der echte Fliegenpilz, eine kleine Manschette um seinen Stil. Einen solchen hatte ich bis dato noch nie gesehen. Seither habe ich auf jedem einzelnen Flohmarkt nach einem solchen Stopfständer (leider weiß ich nicht, wie dieses Utensil in Wirklichkeit heißt) Ausschau gehalten, aber nie einen auch nur ansatzweise entdeckt.

 

Vor ein paar Tagen aber, als ich im Inet auf einer Suche nach etwas ganz anderem war, leuchteten mir im krempelsalon weiße Punkte auf ziemlich abgeschabtem Holz entgegen und ich war so baff, dass ich ehrlich erst einmal gar nichts dachte und meiner ursprüglichen Suche hinterher klickte, nur um mich so eine dreiviertel Stunde später zu fragen, ob ich eigentlich bescheuert bin und endlich den Bestellbutton drückte.


Dieser kleine abgegriffene Ständer ist so wundervoll und ich möchte ihn gar nicht anders haben, denn so wie er ist, sieht man, dass er lange Zeit ordentlich benutzt wurde.

Dass der kleine Fliegenpilz rechts hinten zum Stopfen von Handschuhfingern gedacht ist, darauf, machte mich erst meine Mutter aufmerksam.


Auf die zwei Pöppel vorne rechts und links lassen sich Garnspulen (natürlich ebenfalls alte und hölzerne, das ist doch klar) aufsetzen. Die beiden kleinen Fliegenpilze in der Mitte waren wohl von Beginn an so gedacht: Der links zur Aufbewahrung eines Fingerhuts, der kleine rechts wohl für ein leider nicht mehr vorhandenes aber noch zu ersetzendes Nadelkissen. Einen schönen alten Fingerhut zu finden, wird meine nächste Aufgabe sein. Momentan trägt er einen aus dunklem Kunststoff, der natürlich nicht so schön aussieht.

Das Stopfutensilo dürfte so in den 20er- bis 30er-Jahren wahrscheilich im Erzgebirge hergstellt worden sein, gemarkt oder anderswie gekennzeichnet ist es nicht. Bestimmt wurde es in höherer Stückzahl für einfache Haushalte hergestellt, was es für mich aber nicht weniger kostbar macht. Es ist ein schöner,  sehr durchdachter und praktischer Gegenstand. Ich freu mich unglaublich daran und werde fleißig weiter auf Flohmärkten nach alten Stopfeiern, -pilzen, Garnen, Knöpfen und anderen Handarbeitsmaterialien Ausschau halten.


Und es wartet auch noch der geheimnisvolle Inhalt einer alten Dose voller Nähmaterialien darauf, hier gezeigt zu werden :).


Ein schönes Wochenende wünsche ich Euch!

Kommentare: 1
  • #1

    Angelika (Sonntag, 19 Oktober 2014 15:33)

    Liebe Ev,
    ich beneide Dich glühend um dieses schöne teil, wie immer es auch heißen mag :-)
    Daran wäre ich mit Sicherheit auch nicht vorbeigekommen, ohne es zu kaufen. Ich wünsche Dir viel Freude daran.

    Liebe Grüße
    Angelika von da, wo der Norden aufhört