Mein 1. Strudl

Ich backe gerne. Am liebsten habe ich so handfeste Sachen wie Streuselkuchen, Rührkuchen, Muffins, süße Brote. Ich bin eine Tortennull, für süße Frickeleien bin ich viel zu ungeduldig. Und ich welle nicht gerne aus, aber mit zunehmendem Alter relativiert sich diese Ablehnung.

 

Als mir dieses abgefahrene Kochbuch des Österreichischen Bundesheeres in die Hände fiel, tat sich darin völlig unerwartet eine schier unendliche Strudelwelt auf:

Mich hat das erst überaus amüsiert, dann interessiert, letztendlich aber inspiriert und so kam Herr Ev nach vielen, vielen Jahren endlich in den heiß ersehnten und schon abgeschriebenen Genuss eines selbstgebackenen Strudls.

 

Sein Objekt der Begierde war schnell gefunden: Ein Topfenstrudl sollte es sein.

 

Meine Oma war in ihrer Winzküche, in die nicht viel mehr als ein vierflammiger Gasherd, ein manueller Brotschneider mit Drehkurbel und eine Spüle passte, eine wahre Kochheldin und Strudlgöttin. Mit diesen beschränkten Möglichkeiten schaffte sie es spielend, mehr als 10 Personen satt zu bekommen, angefangen bei den obligatorischen selbstgemachten Nudeln. So manche Hochglanzköchin, die heute stolz über den Bildschirm flimmert, würde, mit solchen Gegebenheiten konfrontiert, wahrscheinlich einen hysterischen Anfall bekommen und das Handtuch werfen. Nein, früher war nicht alles besser ;). Und Oma brauchte auch kein Kochbuch, sie kochte alles aus der Lamäng heraus.

 

Zurück zu meinem Topfenstrudl:

 

Ich ließ den Teig von meiner Küchengöttin kneten und ihn liebevoll unter einer heiß ausgespülten Schüssel ruhen, dann wellte ich ihn aus. Wider Erwarten klappte das völlig problemlos. Lag vielleicht auch daran, dass ich dieses Mal nicht lustlos und angewidert nach dem Wellholz gegriffen hatte.

 

Ich wellte den Teig also so dünn wie möglich aus und zog ihn dann über meine Handrücken hinweg noch dünner, so dünn, dass ich die Strukturen meines Geschirrtuchs darunter gut erkennen konnte. Die Topfenfüllung, mit Cranberries statt Sultaninen, strich ich zu 3/4 darauf und rollte den Strudel dann mit Hilfe des Geschirrtuches zusammen, auf Backpapier und letztendlich auf das Backblech:

Ich strich ihn (im Nachhinein weiß ich, dass ich da zu zaghaft war) mit flüssiger Butter ein und schob ihn in die vorgeheizte Backröhre, bis er einigermaßen goldgelb war:

Beim nächsten Mal werde ich ihn mit weniger Füllung zubereiten, denn die war doch etwas zu großzügig bemessen. Lecker war er aber trotzdem - und auch Frau Mutter Ev war zufrieden. Geht doch ;).

Beim nächsten Versuch: Krautstrudl!

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Kommentare: 1
  • #1

    Angela (Mittwoch, 02 April 2014 18:25)

    Hmmm, lecker! Zum salzigen komm ich dann zum Probieren, ja? Ich habe mal mit 15 bei einer Schulfreundin einen solchen Teig fabriziert - wurde dann ein etwas löcheriger Apfelstrudel... hachja...
    Liebe Grüße
    Angela