Heimatschön

"Heimat" - dieser Begriff, dieses Wort, hatte (und hat es bei einigen auch immer noch) in meiner Generation so ein braunes Gschmäckle. Das war nationalistisch, feudalistisch, herrenmensch- und überhaupt übelistisch.

 

In endlosen Diskussionen wurde darüber schwadroniert & philosophiert, warum man hier weg wollte, was alles so fürchterlich, snobistisch, ewig gestrig ist, wofür man sich überall und immer wieder schämen muss und kann und soll.

 

Ein Fähnlein in den deutschen Farben in die Hand nehmen? Gar bei einem Fußballspiel? Never! Ever! Undenkbar!

 

Und wenn man dann mal raus war aus dem Land, sich nach besten Kräften bemühte, bloß nicht erkennbar deutsch zu sein, dann platze man wirklich vor Stolz, wenn einem ein Spanier, ein Franzose, wer auch immer, versicherte, man hätte niemals nie nicht geglaubt, dass man Deutsche sei. So war das. Eine Schande wäre das im anderen Fall gewesen. Unfassbar.

 

Nün ja, zum Glück ist nichts auf Dauer und einige Jahrzehnte später, wenn man schon überall und überhaupt gewesen ist, dann merkt man auf einmal, dass man genau weiß, wie es überall und überhaupt aussieht, riecht, schmeckt, nur wie das daheim ist, in der Heimat, der vielgeschmähten, das ist einem oft so gar nicht bewusst.

 

Wir/ich beginnen damit, das Auto gar nicht erst zu starten und unsere Heimat, unsere direkte Umgebung zu erwandern und staunen immer wieder darüber, was wir an Unbekanntem und Schönem dabei entdecken.

 

Leider hatte ich gestern keinen Photoapparat dabei. Ich würde es so gerne zeigen, was ich jetzt in der Erinnerung nur mit Worten malen kann:

 

Den blühenden Kirschbaum, unter dessen Bienensummen ich stand. Die unterschiedlichsten Apfelbäume: Manche voll erblüht, bei anderen wiederum sind die Knospen der Blattspitzen noch nicht einmal aufgebrochen. Die Polster aus Hundsveilchen und Buschwindröschen. Der diesige Blick in die Höhenlinien des Odenwalds. Die unerwartete dicke Eiche, die ich umarmte, und doch nur so um höchstens 1/4 von ihr herum kam. Der Waldmeister, der unglaublicherweise schon die ersten weißen noch kugelig versteckten Blüten in seinen voll ausgestreckten Blattkränzen trägt. Die Vögel und die Schmetterlinge bei ihren Hochzeitstänzen. Die kräftig grünen Blätter, die aus den im Herbst gefallenen Buckeckern sprießen. Alles so voller Saft, Aufbrechen und Liebe. Die Duftwolken, die die Schlehenhecken umwaberten. Und die Sonne auf unserer Haut!

 

Alles so schön.

 

Ganz ohne Scham heimatschön!

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Kommentare: 1
  • #1

    elli (Freitag, 04 April 2014 10:26)

    ach evi,war das schoen zu lesen(derletzte paragraph) da wurde mir ganz warm ums herz!! mir geht es genauso wenn ich hier im inselaffenland die bluehende kirschbaeume angucke, die weissen und pink blueten,dann die zarten verschiedenen "gruentoene" an den baeumen und meine ururalte grosse eiche vor meinem schlafzimmerfenster (wohn im 2.stock)erwacht wieder in gruen!von meinem fenster blicke ich ueber haeuser,die bluehenden baeume in den gaerten,eine riesengrosse weide- bis zum "epping forest"der mich auch in verschiedenen gruentoenen begruesst-ach was ist fruehling schoen.(leider leider fahren zu viele autos unter auf der strasse!!!!)und die voegel zwitschern so schoene lieder- und noch schoener ist alles wenn die sonne scheint-leider seit tagen nicht hier!!we have smog!!!!:((( ich freu mich immer wie bolle dein blog zu lesen my dearest evi.love to you all.xxxx