See you - Krkonoše

Dem Iser- und Riesengebirge fühle ich mich ganz besonders verbunden.

 

Ein Teil meiner Vorfahren kommt hierher und bei unserer ersten Fahrt dorthin, da platzte so etwas wie ein Knoten in mir, und ich fühlte das erste Mal in meinem Leben Wurzeln und Ruhe zog in mir ein.

 

Ich kann das nicht wirklich beschreiben, mir fehlen da etwas die Worte, aber ich weiß, dass hier Menschen lesen, die ganz genau wissen, was ich meine. Menschen, deren Familien ähnliches erlebt haben wie meine und die um dieses Gefühl der Wurzellosigkeit wissen, diesen Schmerz eines Verlustes, den man nicht selbst erlebte, der aber sehr wohl Spuren auch in uns hinterlassen hat.

 

In den letzten drei Jahren kam es zu Begegnungen dort und hier, die mich reich beschenkt haben, ohne dass viel Worte gemacht werden mussten. Ein Verstehen, ohne viel Tamtam und Gefasel. Verbindungen, die auf gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnissen fußen und die ich nicht missen möchte.

 

Mein Mann hat mir ein unschätzbares Geschenk damit gemacht, dass er uns all dies ermöglichte. Ich habe Antworten auf Fragen gefunden. Noch lange nicht auf alle, aber ein Anfang dazu ist gemacht, der auf einem soliden Fundament ruht. Und irgendwie ist es auch nicht wichtig, auf jede Frage eine Antwort zu bekommen. Manches ruht einfach, weil es vergangen und damit vergessen ist und vielleicht auch sein will.

 

Die Familie meiner Mutter gehörte nie zu denen, die etwas zurück haben wollte, was sie als verloren akzeptierten und mir geht es nicht anders. Nur so, davon bin ich überzeugt, ist es uns möglich, vollkommen vorurteilsfrei der Vergangenheit im Heute zu begegnen. Ohne Vorbehalte, ohne Ressentiments. Unrecht wurde von beiden Seiten begangen, gelitten haben die Menschen hüben wie drüben - das ist uns/ist mir Grund genug, die Fakten so zu akzeptieren, wie sie liegen.

 

Jeder unserer Aufenthalte hier wurde mir so zum zutiefst ruhigen und ehrlichen Genuss. Letztendlich ist es das was zählt und in den Erinnerungen daran voll Freude wärmt.

 

Ich weiß nicht, ob und wann ich wieder hier ankommen werde.

 

Im Bewusstsein dessen schlug ich in diesen Tagen mein ganz persönliches Erinnerungstuch an: Einen See You! nach der genialen SpinningMartha-Anleitung. Natürlich im Wissen, dass es einen ganz bestimmten Grund hat, warum es ausgerechnet dieses Tuch werden sollte, mal ganz abgesehen davon, dass ich große, kuschlige Tücher sowieso liebe, dieses aber ganz besonders mit seiner asymmetrischen Form, die meiner ganzen Lebenseinstellung sehr entgegten kommt ;).

 

Und ich wusste, dass es Lila werden sollte mein Tuch. Nicht die Farbe der frustrierten Frauen mit dem letzten Versuch, nein, die Farbe der Mystik, Kontemplation und Inbrunst.

 

Eh voilà:

 

Technische Daten:

1 Strang Tweed, 2 Stränge 2erlei - alle drei von der Drachenwolle

1 Rundstricknadel 3 mm

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Kommentare: 2
  • #1

    Christine (Mittwoch, 09 Oktober 2013 17:59)

    Liebe Ev,
    seit unserem letzten Gespräch blättere ich immer wieder in den alten Fotos, und es reift der Gedanke, irgendwann eine Reise in die Vergangenheit zu machen. Auch wenn ich keine Ahnung habe, was mich da erwartet. Ich freu mich sehr dass es für Dich das Gefühl des Ankommens ist!
    Und das Tuch, die Farben: eben typisch Ev!
    Ganz herzliche Grüße
    Christine

  • #2

    claudia (Mittwoch, 26 März 2014 21:54)

    Schöner Beitrag, in dem ich mich auch wieder finden kann. Ich komme auch aus einer Familie mit zwei Heimaten und es lohnt sich wirklich mal in die erste Heimat seiner Vorfahren zu reisen. Besonders schön ist es, wenn man seine Eltern noch dabei haben kann.

    lg
    Claudia