Foodblogs

Als ich erst einmal die Welt der Strickblogs entdeckt hatte, oh Mann, das ist schon eine ganze Dekade her, konnte ich mein Glück gar nicht fassen, als ich auch noch den ersten deutschsprachigen Foodblog für mich entdeckte. Englischsprachige kannte ich bereits, aber Chili und Ciabatta weckte einfach nur pure Begeisterung bei mir. Das war und ist so. 

 

Vor zehn Jahren war die Strickblogwelt noch echt überschaubar, die Welt der (deutschsprachigen) Foodblogs ebenfalls, mittlerweile habe ich für beide tuttokompletti vollkommen den Überblick verloren. Macht aber nix, denn nach mehreren Jahren eifriger täglicher Pflichtblogbesuche ist es nun so, dass ich vor dem PC immer weniger Zeit verbringe. Meine Interessen haben sich verlagert. Gut, mein Blog ist mir noch immer lieb, aber z. B. ravelry wird immer unwichtiger für mich, dafür bin ich seit letztem Jahr im Herbst drin. Bei Fratzbuch. Tja, das Leben schlägt manchmal lustige Haken und dann macht man plötzlich das, was man immer voller Vehemenz ablehnte und wundert sich, wie gut das klappt. Danke schön. Du weißt schon, dass ich Dich meine, gelle ;)?!

 

Wo war ich gleich noch mal? Ach ja, Foodblogs.

 

Und da bin ich schon wieder bei 'Chili und Ciabatta' - für mich überhaupt DER Foodblog. Durch und durch. Unangestrengt. Auf gutes Essen, fundierte Rezepte und eine, wie ich finde, überaus angenehme fotografische Umsetzung abonniert. Ohne Besserwisserei, Gehäme oder Selbstverliebtheit. Sehr sympathisch.

 

Und gleich danach rangiert für mich Schnuppschnüss ihr Manzfred.Geschrieben, wie die beste Freundin spricht. Mit extrem viel Witz und einer ganz großen Portion authentischem Leben. So wie die Kochbücher, die ich am liebsten mag: Die, die nicht nur Rezepte auflisten, sondern etwas zu erzählen haben: Von der Familie, ihrer Geschichte, ihren Orten. Ganz feine Sache - und manchmal gigantisches Kino!

 

Beide sind Foodblogs und doch nähern sie sich ihren Themen ganz unterschiedlich und deshalb kann ich gar nicht sagen, dass ich den einen lieber wie den anderen hätte, auch wenn der eine für mich die Verkörperung eines Foodblogs schlechthin ist, ist mir der andere doch genau so wichtig, ich will da gar nicht werten - nur genießen - und das kann ich bei beiden.

 

Und das nicht nur bei Ihnen, nein, da gibt es für mich noch einen Dritten im Bunde: Wurstsack - und er nähert sich diesem so lebenswichtigen Thema "Essen" wieder von einer ganz anderen Seite her, die ich als überaus essentiell und existentiell wichtig empfinde.

 

Wurstsack ist für mich so etwas wie ein Stephané Hessel der Foodies. Er legt die Finger und seine Worte da drauf, wo es weh tut, wo es weh tun soll und wo es gar nicht weh genug tun kann.

 

Er empört sich und ich wünschte mir, dass sich noch viel mehr so wie er empören. Gegen so einen Scheiß z. B. wie die tiefgekühlten Bio-Spätzle in seinem aktuellen Beitrag. Ich wünsche mir noch mehr solcher Menschen, die sich nicht nur empören, sondern sich nicht scheuen, Taste the waste nicht nur zu propagieren, sondern auch zu essen. Laut zu werden und unbequem. Wurstsack ist keiner von diesen glatten und in jedem Beitrag perfekt durchgestylten Foodstyleblogs, die momentan aus dem Boden schießen, wie Pilze nach einem sanften warmen Herbstregen. Wurstsack ist anders. Und lesenwert.

 

Fangt an zu lesen. Und/oder fangt an zu kochen. Beides lohnt sich.

 

Eine Köchin, ein Koch steckt in jedem von uns. Lasst Euch nicht von der Lebensmittelindustrie abspeisen. Fangt selber wieder an zu schmecken, probieren, teilen.

 

 

 

 

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