Null-Nummer

Fast zwei volle Wochen lang zu strikter Bettruhe vergattert zu werden, entschleunigt ungemein.

 

Vor allem dann, wenn man für Handarbeiten jeglicher Art und den PC zu schlapp ist und selbst das Lesen viel zu anstrengend wird..

 

Was macht man dann also, außer zu versuchen, sich gesund zu schlafen? In meinem Fall ließ ich mir Musik und Hörbücher durch die Ohren plätschern und wenn auch das nicht mehr funktionierte, dann musste die Glotze ran.

 

Spaß hat das in den letzten 14 Tagen nicht gemacht.

 

Pferde ritten durch Lasagne, Kotzbullar und Döner. In keinem unserer Lebensmittel gibt es so viele zugesetzte E-Nummern-Chemikalien wie im Brot - zum Speien, wie sehr die Discounterpest-Kraken den Ernährungsmarkt mittlerweile fest im Griff haben. Billig, gut, besser und noch geiziger - das Einkaufen gerät immer mehr zum Event, ist immer mehr Zweck statt Mittel. Und dann heißt es, die Verbraucher werfen zu viele Lebensmittel weg. Hallo!? Was passiert denn z. B. mit den dreiundzwölfzig Sorten Joghurt in x-fachen Ausfertigungen? Glaubt wirklich allen Ernstes jemand, dass die zum größten Teil verkauft werden? Das was von den Discountern in den Abfall wandert wegen abgelaufenem MHD oder weil es z. B. Saisonartikel sind, ist ein mehfaches von dem, was bei den Verbrauchern in der Tonne landet, aber darüber spricht niemand. Kein Wunder, da stecken ja auch massig Moneten dahinter.  Apotheken verkauften für teuer Geld Nutzloses, nicht weil der Käufer was davon hätte, Gott bewahre, die Verkaufsprämien sind es, auch Ergo macht das so. In Italien meldete sich ein sonnenbankgebräunter Toupetträger zurück in der Politik, oder war er daraus überhaupt gar nicht verschwunden? Ein Flughafen in Berlin und ein Bahnhof und Stuttgart kosteten immer mehr Geld. Menschen starben bei Amokläufen, andere in ignorierten Kriegen. Spreewässer färbten sich durch Braunkohleabraumeinsickerungen rostig rot und wohin mit dem Assewasser ist noch immer nicht klar - alldieweil am Horizont die Fracking-Fratze mit erhobener Faust drohend grüßt. Dieser Winter dauerte weiter an und ist zudem auch noch der grauste seit  Jahrzehnten.

 

Wen wunderts? Wäre ich ne Jahreszeit, ich würd sie auch nicht von oben herab scheinen lassen, die Sonne.

 

Schön war eigentlich nur, dass Christoph Waltz völlig verdientermaßen seinen zweiten Oscar bekam, wobei ihn auch Quentin, Leonardo, Samuel und Don verdient hätten - Broomhilda sei Dank!

 

Zum wiederholten Male wurde kolportiert, der Deutsche an sich gäbe für Lebensmittel lediglich nur 10 % seines Einkommens für Lebensmittel aus, woraufhin ich zum wiederholten Male mein für diesen Fall leider fiktives Brutto- und Nettogehalt errechnete - naja, auch Fieberanfälle möchten sich irgendwie gerne rechtfertigen. Und sei der Grund auch noch so inhaltsleer.

 

Nein, ich fiel in diesen zwei Wochen nicht in die kollektive Empörung mit ein, denn dass da irgendwo der Huf des Teufelsadvokaten im gekühlten und ungekühlten Conviniencefood steckt, das ist doch jedem seit langem klar, der sich mit dieser Thematik schon mal irgendwie eingehender beschäftigt hat. Lasagne gibt es bei uns nur selbstgemacht, da sattle ich mir gerne einen Gaul drauf, aber ich scheiße nachwievor auf Carrageen, nur nicht mehr so häufig, nachdem ich entdeckt habe, dass es auch in meiner Biozahncreme drin ist, das Dreckszeug. Nein, hier kein Wiegen in Sicherheit, sondern die Überzeugung, dass das, was medial aufgedeckt wird, nur die Spitze des versifften Eisbergs ist.

 

Was solls? In spätestens vier Wochen hat die graue Masse das alles samt den guten Änderungsvorsätzen sowieso schon wieder vergessen, dann schmeckt auch wieder die Tieküh-Lasagne und Brot & Spiele gehen in die nächste Runde. Apropos Spiele: Der Grimme-Preis für die Dschungel-Stars, der wäre mehr als gerecht, denn dass man da auf und in die Fresse bekommt, weiß jeder von Beginn an. Nix mit Schönfäber- und Überraschungseiern.

 

Und überhaupt ist bald schon wieder überaus passend Ostern. In schön eiernder Regelmäßigkeit tauchen jetzt auch die Bioeier wieder auf ... die Großen bescheißen, nicht minder aber auch die Kleinen, wie mein ehemaliger Lieblingsbauernhofladen, der gerne damit wuchert, dass man seinen Hühner quasi auf Augenhöhe begegnen kann, und wo man dann einfach, wenn die eigenen Eier für die Kundschaft nicht reichen, gerne auch 2er-Eier von dem Hof drei Ortschaften weiter weg ins Nest legt. Wohlgemerkt, ohne die werte Kundschaft darauf hinzuweisen.

 

Wem da nicht übel wird, dem ist nicht mehr zu helfen.

 

Ja und ich gebe Billy Ray Harris recht: Es sagt viel über unsere Gesellschaft aus, wenn ein ehrlicher Finder und Rückgeber in den Nachrichten landet.

 

Sprachlos macht mich, mit welcher Häme und Niederträchtigkeit Natascha Kampusch begegnet wird, statt sie einfach endlich leben zu lassen.

 

Und traurig machte mich die Nachricht, dass Oftried Preußler gestorben ist. Ich lernte Lesen mit ihm, seine Geschichten gaben mir so viel, was ich gar nicht ausdrücken kann und ich wünschte, es wäre möglich, Liberec, oder Reichenberg, wie es damals zu seiner Geburt hieß, so sehen zu können, wie er es sah. Letztes Jahr waren wir an einem unendlich heißen Tag in Liberec und noch heute ist zu sehen, dass das Reichenberg von damals eine enorm schöne Stadt gewesen ist. Eine Reise ist es auch heute noch wert, mit seinem Botanischen Garten, den Wallsteinhäusern und seinem wienerischen Rathaus. Heute sind mir nicht mehr nur seine Erzählungen wichtig, sondern auch die in manchen Zügen gemeinsame Geschichte eines Lebensraumes, den begreifbar gemacht haben zu können, ich als überaus große Gnade empfinde, unendlich wertvoll.

 

Und das Fazit dieser zwei Wochen?

 

Das kann man noch so planen und sich sicher sein und dann ist vom einen auf den anderen Tag doch manches anders als gewollt.

 

Wenn mal zwei Wochen gar nix mehr geht, dann ist das halt so.

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