Das Ei, das Huhn und ich

Viele Jahre war es mir relativ egal, welches Lebensmittel wieso und woher kommt.

 

Irgendwann relativ schlagartig nicht nicht mehr, was viele Gründe hat.

 

Ab einem bestimmten Moment zog ich für mich einen Schlussstrich und verwende seither viel Zeit und den größten Teil meines Einkommens darauf, Lebensmittel zu kaufen, die für mich gut und vertretbar sind. Höhere Preise sind der Preis dafür, sich einen Qualitätsbegriff leisten zu wollen. Nicht nur bei Fleisch, Käse, Obst. Das fängt beim Ei an.

 

Ich kenne leider niemanden, der noch wirklich Hühner hält, die sich tatsächlich frei auf einer Wiese bewegen und ernähren können, wie sie es wollen. In unserer Umgebung gibt es landwirtschaftliche Betriebe, die auch Eier produzieren, ich sage das jetzt mal ganz bewusst so nüchtern, ohne das näher ausbreiten zu wollen, zu diesem Thema kann sich jeder selbst informieren, das ist ganz einfach und war noch nie so leicht wie heute, Information zu bekommen. Eier zu kaufen geht noch einfacher.

 

Ich kaufe meine Eier auf einem Bauernhof. Diese Eier sehen nicht alle gleich aus und mal gibt es mehr, mal weniger davon. Je nachdem, wie groß die Nachfrage vor mir danach war.

 

Kaufe ich meine Eier nicht dort, dann gucke ich mir den Stempel auf der Schale an. Eine "1" muss da mindestens stehen und wenn es welche mit einer "O" gibt, dann nehme ich natürlich die, wie gesagt, ohne auf den Preis zu schauen. In unserem diesjährigen Tschechienurlaub verzichtete ich in unserem Selbstversorgeranteil ganz auf Eier, weil ich keine finden konnte, auf denen eine Zahl unter einer "3" prangte. Anderes Thema. Naja, und wo ich schon dabei bin, gebe ich auch gleich noch zu, dass ich ein Eierrassist bin und nur heimisch gelegte kaufe. Dafür lasse ich mich gerne abwatschen, ich mag's einfach regional. Nicht nur, aber auch, Transportwege und so.

 

Zurück zum Ei. Hat sich dieses Pappdeckel auf, reingucken & zu bei mir andernorts schon fest eingeschliffen, so zeigte sich mein Tic bei meiner Eierfrau noch nie. Zumindst bisher.

 

Nach einem Tag mit viel zu wenig Zeit wollte ich mir am Abend ein nettes Spiegelei in die Pfanne hauen, in der ich zuvor zwei Brotscheiben (Brot von einem richtigen Bäcker, nicht aus einem F... äh Backshop) ohne Butter angeröstet und darauf zwei hauchdünne Scheiben eines ausgezeichneten Tannenrauchschinkens (übrigens aus einer kleinen heftig prämierten Landmetzgerei) plaziert hatte. Ich schlug also das Ei auf, ließ es in die Pfanne gleiten, wollte die Schalen in den Komposteimer werfen und traute meinen Augen nicht:

 

Ein roter Stempel sah mich an. Ein Stempel auf einem der Eier, die keinen Stempel tragen? Und dazu als Krönung auch noch einer mit einer "2" drauf! Um es kurz zu machen: Ich habe es trotzdem gegessen.

 

Und beim nächsten Eiergang meine Eierfrau drauf angesprochen.

 

Nun, die Begründung war, dass ihr die Eier ausgegangen waren und sie deshalb Eier von Bauer X aus dem Ort Z dazu kaufte, womit ich doch bestimmt kein Problem hätte? Ich kenne Bauer X und auch Ort Z persönlich, den Bauer mag ich, den Ort weniger und ich habe bei ihm  viele Jahre meine Eier eingekauft. Bis zum oben erwähnten Schlussstrich und seither, so sagte ich ihr im O-Ton "Schaue ich Eier mit einer 2 nicht mal mehr mit dem Arsch an, obwohl ich Bauer X kenne und schätze". Ja, aber der habe doch nicht nur Eier mit einer 2. Warum sie dann nicht die genommen hat, interessierte mich schon gar nicht mehr.  Ihre Kunden wüssten das, sagte sie. O.k. ich bin jetzt seit über einem Jahr bei ihr, ich wusste das nicht und ich wünschte mir, sie hätte mir durch entsprechende Info die Wahl an diesem Tag gelassen, denn dann hätte ich sie nicht mitgenommen, die Eier, von denen ich ausging, dass es die ihrer eigenen Hühner sind.

 

Ich werde weiter bei ihr einkaufen, natürlich mit meinem ganz persönlichen neurotischen Eier-Tic.

 

Was mich wirklich ärgert ist, dass genau das vor Jahren schon einmal bei angeheirateter Verwandschaft passierte. Da prangten im Eierfilzel nämlich stillschweigend einige gestreckte gestempelte Eier zwischen denen der hofeigenen Mistkratzerle und die Reaktion damals, die war genauso unbefriedigend rotköpfig wie heute, nur dass ich das sehr viel persönlicher nahm und dort nie wieder ein einziges Ei kaufte.

 

Eine Alternative wäre so zwei bis drei eigene Hühner. Wir haben uns bei der Gemeinde informiert, ob das erlaubt ist. Ist es aber nicht.

 

Nun gut, versuch ich halt weiterhin, das Beste draus zu machen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Angela (Sonntag, 09 Dezember 2012 16:35)

    Rechts haste! Ich nehm auch nur 0 oder 1.
    Ich erinnere mich gerade daran, dass ein Nachbar früher hier am Stadtrand Hühner und Tauben hielt. Ich habe das Krähen des Hahns geliebt. Irgendein gehässiger Nachbar hat dem Ganzen dann ein Ende gesetzt, von wegen Ruhestörung und landwirtschaftliche Tierhaltung im Wohngebiet. Schade!
    Viele Grüße
    Angela