An die StrickerInnen-Tür genagelt:

StrickerInnen-Manifest

 

1.       Es ist absolut regelkonform, das“ StrickerInnen“ durch HäklerInnen, StickerInnen, WeberInnen, SpinnerInnen, FärberInnen, NäherInnen, oder schlicht und einfach HandwerkerInnen zu ersetzen. Ob man die Schreibweise dieser BegrifferInnen mag oder nicht, muss jeder für sich selber entscheiden und sie nötigenfalls durch andere und genehmere ersetzen. Jeder darf sich seine eigene Bedienungsanleitung stricken.

2.       Stricke und trage Dein Gestrick mit Freude und Stolz. Es zählt, dass Du Dir damit gefällst. Lass Dich nicht von Dritten verunsichern und Dir das Recht absprechen, selbstbestimmt Dein eigenes Leben zu leben, Deine eigenen Vorlieben zu entwickeln. Du findest Dich schön – nothing else matters!

3.       Du entscheidest, für wen Du strickst und für wen nicht. Wer nicht bereit dazu ist, Deine Bedingungen für einem Strickauftrag zu akzeptieren, der ist es nicht wert, dass Du auch nur eine Masche für ihn anschlägst.

4.       Weichspüler go home! Seine glitschige Weichheit zerstört Deine Wolle und seine synthetischen Geruchskomponenten sind alles, nur kein natürlicher Duft. Ein weichgespültes Leben mit Verständnis für Alles schafft es, Gift in jeden Alltag zu bringen.

5.       Sage Deine Meinung, zeige Deine Grenzen auf – aber immer mit Respekt und Netiquette. Wer schreit hat Unrecht, heißt es, wer pöbelt auch und wer mit Dreck spielt, wird unweigerlich schmutzig. Drum lass es einfach sein, versteckt Dich nicht hinter multiplen Avataren, behandle Dein Gegenüber so, wie Du behandelt werden möchtest.

6.       Lache niemals über Dritte, die die Zeit und das Geld in ihr Hobby investieren, wozu Du niemals bereit wärest. Jeder Jeck ist anders und das ist gut so.

7.       Hauptsache ist, dass jemand strickt, nicht was. Du magst keine gestrickten Spültücher und keine Flauschimauschiwolle? Sag es freundlich, aber lach über niemanden, der genau das mag.

8.       Handarbeitsfasern auf der Basis von Nahrungsmitteln wie Milch, Soja, Bananen – nicht alles, was möglich ist, muss sein, nicht alles was neu ist, muss verarbeitet werden. Überlasse die Verantwortung für erste Schritte nicht Dritten, beginn selber mit dem Gehen.

9.       Jede HandfärberIn hat ihre eigene Farbsprache, jede ihre Daseinsberechtigung. Die Wolle ist bunt, die Welt auch.

10.   Lebe Deine Tage nach dem Grundsatz „Liebe es, ändere es oder verlasse es“. Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht.

11.   Geh mit neugierigen Augen durch die Welt, suche und finde Handarbeiten im Unerwarteten und im scheinbar unspektakulären: Beginne mit einem Besuch im nächstgelegenen Heimatmuseum und entdecke, was dort an alltäglichen Schätzen generationenlanger Traditionen auf Dich wartet.

12.   Teile Dein Hobby mit Gleichgesinnten.

13.   Habe keine Angst davor, Dich an etwas zu wagen, was Du bisher noch nie gestrickt hast. Hey, alles basiert auf rechten und linken Maschen und selbst die linken Maschen können ausgetrickst werden ;). Unter keinem StrickerInnensofa lauert ein böses Flusenmonster, das zuschlägt, wenn etwas nicht gelingt. Ehrlichkeit braucht Mut, das Stricken nur Freude daran.

14.   Achte beim Lesen von Büchern, Magazinen, Zeitungen darauf, in welchem Kontext Handarbeiten auftauchen und genannt werden. Das kann sehr lustig sein.

15.   Akzeptanz, Toleranz, Respekt, Mitgefühl, Freude, Stolz & Liebe und nicht „Ja“ sagen, wenn man „Nein“ meint. Auf diesem Strickmuster basieren Zufriedenheit, Glück und Freude.

16.   Nein, früher war nicht alles besser.

17.   „Stricken ist was für Omas“ und „Stricken ist Trend“?! Schnarch. Lohnt sich nicht, für solche Plattitüden aufzuwachen.

18.   Es ist völlig egal, ob und warum jemand von „Ajour“ oder „Lace“ spricht. Halte Dich nicht mit Haarspaltereien auf, strick lieber weiter Dein Ding.

19.   Hebe verloren gegangene Maschen liebevoll auf.

20.   Strick, wo immer Du Lust dazu hast: Beim Zahnarzt, im Zug, beim Spazierengehen – und nicht nur dort ;).

 

Das Leben ist zu kurz, um nicht lustvoll zu stricken!

 

In diesem Sinne: Immer schön eine Masche nach der anderen.

 

Ich umarm Euch hochachtungwoll,

Ev

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Kommentare: 2
  • #1

    Anette (Mittwoch, 21 November 2012 20:08)

    Dafür umarme ich dich...auch wenn wir uns nicht persönlich kennen. In der "Strickwelt" ist das ja zum Glück möglich.
    Ganz lieben Gruß
    Anette

  • #2

    Gabi Glasner (Sonntag, 25 November 2012 15:56)

    ..so schön, so richtig, so wunderbar in Worte gefasst was mir oft auf der Zunge liegt aber nicht "raus" kann....

    ganz liebe Grüße
    Ele