Rot ist das neue Grün

Autofahren ist ein leidiges Nörgelthema. Meistens.

 

Eigentlich fahre ich gerne Auto. Uneigentlich nur dann, wenn ich nicht auf die Autobahn muss, denn Fahren auf der Autobahn hat nichts mehr mit entspanntem Agieren hinterm Lenkrad, sondern viel zu oft mehr mit Fahrkampf, als mit allem anderen zu tun, es sei denn, die Autobahn liegt in Frankreich oder in Tschechien, und wenn sie in Tschechien liegen sollte, dann nicht gerade um Prag herum.

 

Mein erstes Auto war ein kleiner Fiat in Metallicbraun und ich legte an jedem Arbeitstag eine Gesamtstrecke von knapp einem bissi mehr als 100 km mit ihm zurück, den Großteil davon auf der Autobahn. Heute würde ich das in diesem Auto nicht mehr machen, da ich nicht suizidal veranlagt bin; früher war ich das auch nicht, aber da war der Verkehr auch nicht das, was er heute ist. Davon mal abgesehen, macht mir Autofahren mehr Spaß als Angst und bei entsprechend freier Strecke trete ich auch schon mal das Gaspedal durch, aber nicht, wenn ich Mitfahrer habe und wenn doch, dann auch nur unter strikter Mindestabstandsregelbeachtung. Liegt daran, dass ich keine Lust auf den Geräusch habe, von sich in Metall schiebendes Metall.

 

Um Autobahnfahrerei geht es mir auch gar nicht.

 

Mir geht es darum, dass Rot das neue Grün zu sein scheint. Zumindest hier. Bei uns im Kraichgau, denn hier erlebe ich das immer wieder im Alltag.

 

Die Ampel schaltet auf Rot und - schwupp - es fährt noch einer drüber. Bei den Ampeln, von denen ich weiß, dass sie, wie in unserem Nachbarort, eine, wie ich finde, sehr kurze Umschaltphase von Grün auf Rot haben, schüttelt es mich dann immer, denn ausgerechnet an ihr sind es oft genug Kinder und Jugendliche, die dann doch mal einfach los rennen, wenn die Fußgängerampel für sie auf Grün ist.

 

Aber es geht noch krasser: Ein paar Orte weiter quert eine Brüche den Neckar und genau an dieser Ampel fährt dann nicht allzu selten nicht nur einer noch schnell bei Rot drüber, sondern noch ein zweiter und, ganz zackig, ein Dritter. Gut, jetzt, wo die Spritpreise immer deftiger werden und die Großbaustelle auf der anderen Neckarseite auch nicht mehr da ist, staut es sich hier nicht mehr so schlimm, dass man, denn ja, es passiert immer noch, nicht unvermittelt gleich vor Wut in sein Lenkrad beißen will.

 

Rot wird nicht nur bei den Ampeln ignoriert, auch bei den Bahnübergängen, letzte Woche zockelten gleich mehrere Fahrzeuge hintereinander in Seelenruhe darüber, während sich díe erste Schranke schon senkte und ich mich gefragt hab, warum ich eigentlich angehalten habe, als nur die Lampe aufschien.

 

Die Schienenrotfahrer waren übrigens alles Männer in fortgeschrittenem Alter, die sich vielleicht auf eine Rotgrünschwäche oder beginnende Demenz hätten rausreden können, aber ob das auch die Frauen, die meisten von ihnen im schicken SUV mit mindestens einem Kind drin, zutrifft, die bei uns im Ort immer wieder so gerne noch schnell das letzte Restchen Grün im Rot mitnehmen, weiß ich nicht. Gefährliche ich-ich-ich-Rüpeleien.

 

Mich kotzt das einfach nur an.

 

So eilig kann man es gar nicht haben, wenn man nicht gerade zu einer Blaulichtmartinshorneinsatztruppe gehört.

 

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