Voll druff im Suff

Ich finde es zum kotzen, dieses mediale Betroffenheits- und oder wahlweise Hämegelaber zum Suffauftritt von Frau E.-E. im NDR.

 

Gut, dass er nicht mehr aufrufbar ist.

 

Schlimm genug, dass der Sender anscheinend zum Beginn der Sendung, und ich möchte optimistisch annehmen, dass dem wirklich so war, nicht bewusst war, in welchem Zustand sie sich befand - schlimm genug, dass die Übertragung anscheinend nicht gestoppt werden konnte, als man merkte, wie suffdruff sie tatsächlich war.

 

Traurig. Absurd. Beschämend für alle Seiten.

 

Gut, wenn sie wirklich von sich aus die Entscheidung getroffen hat, sich helfen zu lassen. Gut, wenn ihr Mann wirklich hinter ihr steht. Und ich wünsche ihr, dass sie wirklich stark und entschlossen genug dazu ist, die Hosen so runterzulassen, dass sie Hilfe annehmen kann.

 

Ich kann und will das nicht beurteilen, ich kenne sie und ihn nicht persönlich und was, wie, wo bei wem im argen liegt, das geht mich auch gar nichts an, das will ich auch gar nicht wissen.

 

Am meisten tut mir der Sohn leid. Es ist schon schlimm genug, mitterleben zu müssen, wie bestensfalls nur ein Elternteil dank zuviel Alkohol die Kontrolle über sich und sein Leben verliert.

 

Alkohol zerstört nicht nur den Trinker, sondern nachhaltig auch die Menschen, die mit ihm/ihr in wie auch immer gearteter sozialer Beziehung stehen. Alkoholismus, tötet, zerstört, führt Krieg gegen das Leben, auch und gerade dem der Kinder.

 

Kinder können nicht begreifen und verstehen, warum das passiert. Sie denken, dass alles besser wird, wenn sie nur lieb genug sind. Sie machen sich klein, passen sich an, lernen Masken zu tragen, zu lügen, zu vertuschen, sich verzweifelt an das kleineste Quentchen illusorischer Normalität zu klammern. Oft genug verfallen sie später genau dem Aggressor, der ihnen ihr Leben zur Hölle machte: dem Suff. Mit viel Glück, schaffen sie es, ihm zu entgehen, bezahlen aber trotzdem mit Ängsten, Tics, seelischen Störungen, ...

 

Jagt Euch 'ne andere Sau durch's Dorf. Ist ja nicht so, dass es momentan eine Inflation an solchen gäbe. Ganz gewiss nicht.

 

Die, die jetzt am lautesten schreien, sind vielleicht schon morgen dran, mit dem Rennen um ihren Ruf, ihre Reputation, ihren Wert.

 

All denen, die noch zur Empathie fähig und auch mal dazu in der Lage sind, sich mit unangehmen Themen, wie diesem gesellschaftlich tolerierten Genussmittelmissbrauch und seinen Folgen für Süchtige und ihre Familien, auseinander zu setzen, möchte ich, wie auch schon in der Vergangenheit geschehen, wärmstens das Buch Alk. Fast ein medizinisches Sachbuch von Simon Borowiak ans Herz legen.  

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    idifix (Dienstag, 02 Oktober 2012 16:15)

    Hallo Ev;
    Oh, wie recht du mit den Kindern hast- leider!
    Ich kann bei diesem Thema aus eigener Erfahrung mitreden :( Es ist traurig, einen Menschen so vorzuführen, aber leider benebelt der Alkohol sämtliche Wahrnehmung. Im Nachhinein bereut auch der *Täter*, aber in der Situation ist er/ sie nicht er/ sie selber.
    Idifix