School's Out

Dieser Blog ist ein Ev-Blog. Ich habe ihn nie über meine Kinder definiert. Weder in schulischer noch in sonstiger lebenstechnischer Hinsicht. Der Fokus sollte nicht auf ihnen oder mir in meiner Mutter-Facette liegen.

 

Ich liebe meine Familie, meine Kinder. Ich bin stolz auf sie, auf das, was sie mit eigener Kraft erreichen. Ich versuche, sie in ihr eigenes Leben los zu lassen, denn sie gehören nicht mir, sondern sich. Ich wollte nie eine Helikopter-Mutter sein, was manchmal so verlockend leicht gefallen wäre. Ja, ich habe Angst um sie gehabt, Tränen geweint, mich über sie geärgert, mit ihnen gelacht, mich mit ihnen, an ihnen gefreut, für sie gekämpft und für sie still gehalten. So war es und so wird es bleiben.

 

Das aber möchte ich sagen:

 

Wir haben sie immer bewusst mitentscheiden lassen. Schon bei der Schulwahl am Ende der 4. Klasse. Wir haben sie unterstützt, wenn sie um unsere Hilfe gebeten haben; wollten sie keine, wollten sie ihren eigenen Entscheidungen treffen, haben wir das akzeptiert und - oh ja - gerade das fiel besonders schwer. Schließlich wollen doch alle Eltern das Beste für ihre Kinder, aber wir wollten das nicht über ihre Köpfe hinweg. Und was für uns gut ist, mag für sie genau das eben nicht sein. Wir sind keine Supereltern. Wir sind Menschen mit allen ihren positiven und negativen Seiten und für die Kindererziehung, da leitet einen niemand an. Das ist oft genug trial and error. Die Entscheidungen, die wir trafen, die waren nicht immer die richtigen. So manches Mal hätten wir uns im Nachhinein besser, adäquater verhalten können, in diesen vergangenen Momenten aber, da waren wir uns sicher, es richtig zu machen.  

 

Sich seine eigenen Ziele suchen zu dürfen, ist etwas sehr kostbares. Sich etwas trauen und sich auf den Weg zu ihnen machen zu dürfen, ist unbezahlbar.

 

Manchmal ist das, was nach Mut aussieht, nur ein Hüpfer vom einen Kiesel zum anderen, voll Vertrauen in das "Wenn nicht jetzt, wann dann?!".

 

Unser jüngstes Kind hat trotz einer unabwägbaren Prognose, die für uns als Eltern und für dieses Kind, alles andere als das war, und trotz LRS, heute das Abitur bestanden.

 

Nein, Mut hatte diese Entscheidung nicht gekostet, auch wenn damals viele Tränen geflossen sind. Diese Entscheidung war nicht unser Wunsch. Unser Wunsch war nur der, unserem Kind das zu ermöglichen, was es sich zutraute, sich so sehr wünschte. Und, nein, am Notendurchschnitt, der um Welten besser war, als er sein musste, lag es damals nicht.

 

Und jetzt? Jetzt hast DU es geschafft. Und dass trotz einer alten, verbiesterten und moralisch verkümmerten Lehrerin in Deiner Grundschulzeit, die Dir ins Gesicht sagte, dass Du dumm seist.

 

Sei stolz auf Dich, Du bist alles andere als das. Und selbst wenn Du es gewesen wärst, so würde ich Dich doch nicht anders als jetzt mit jeder einzelnen Fasern meines Seins von Herzen lieben. Dich. So wie Du bist. Es ist so, wie ich es Dir schon oft gesagt habe: Hätte ich mir Eigenschaften für Dich wünschen dürfen, wären es keine anderen gewesen als die, die Du hast ♥!

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Ruthy (Dienstag, 26 Juni 2012 12:42)

    Berührend geschrieben, wie alle Deine Einträge.
    Und das wichtigste: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zum bestandenen Abi für's Kind!

    Liebe Grüße, Ruthy

  • #2

    corazon (Donnerstag, 28 Juni 2012 08:33)

    Wunderschön geschrieben. Ich verurteile Menschen, die schon einem Kind den Mut und die Hoffnung nehmen wollen. Sicher, ich bin Realistin....manchmal viel zu sehr. Aber trotz allem habe ich viel Sinn für Träume. Es ist mir leider nicht immer gelungen, meine Kinder ausreichend zu motivieren, ihre Ziele zu verfolgen.
    Es ist schön, zu lesen, das es funktioniert. Alles Gute zum Abi, toll gemacht!

    LG Petra