Ich denk an mich ...

Generation Wodka nennt man gerne einmal unsere Jugendlichen. Auch als Ichlinge werden sie  tituliert, weil ihnen augenscheinlich nur das am Herzen liegt, was Spaß macht: Das größte Stück vom Kuchen, Shopping und Spaß bis der Arzt kommt.

 

Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.

 

Man streitet sich darüber, ob dieses Zitat wirklich Sokrates (ca. 469 – 399 vor Christus) zugeschrieben werden kann oder einem der anderen weisen Männer der Antike. Unbestreitbar aber ist die Tatsache, dass große Teile der älteren Generationen schon immer von der Moral der jüngeren enttäuscht waren, sich selber als die leuchtenderen Beispiele im vorbildhaften Leben hehrer Maßstäbe sahen.

 

Haben sie einfach nur vergessen, dass sie selber einmal zu den so geschmähten Jüngeren gehörten? War früher wirklich alles besser oder eben doch schlechter? Lügen wir uns in den eigenen Sack, weil wir nicht sehen wollen, dass der Nachwuchs uns nur das Spiegelbild unserer eigenen Existenz vorhält?

 

Das mag so sein, denn an wem stößt sich diese Generation Wodka, wenn nicht an unserer Generation Wulff?

 

Antrieb scheint doch zu sein „Fragt nicht, was Ich für Euch tun kann, ehe Ihr nicht alles Mir mögliche geliefert habt“. Mein Haus, mein Urlaub, meine Frau, meine Freunde, … - schuld sind immer die anderen, so wie die Trainer, die entlassen werden, wenn ihre Mannschaften nicht direkt ins Schwarze treffen. Das Beste für die Gäste nur dann, wenn es meine Reste sind. In unserer Generation halten sich zu viele für zu einzigartig; auf der Strecke bleiben die Fähigkeiten für Empathie, Kooperation, Verantwortung für Schwächere zu übernehmen, einfach mal über den ureigenen Tellerrand gucken zu können.  

 

In der Generation Wulff sitzen die Macher, die Entscheidungsträger unserer Gesellschaft, in der Politik, in den Banken, der Wirtschaft, in Forschung und Kultur. Und wie sieht das aus, was da raus kommt? Nun, zum Beispiel so: Die Welterdölreserven sind endlich, aber reagiert unsere Kraftfahrzeugindustrie darauf? So halbherzig werden Elektromobile propagiert, die wahren glänzenden Highlights der Motorschauen sind aber die Fahrzeuge, die immer mehr Leistung unter ihrer Haube verstecken. Niedriger Kraftstoffverbrauch? Nicht, solange es Menschen gibt, die Eloquenz mit Bolidenpräsenz verwechseln. Straffe D-Cups ohne Rücksicht auf Verluste, Plastik, Plastik über alles, auch im Biosupermarkt, uns jedes Jahr ein neues Handy und den alten Dreck dafür nach Afrika …

 

Übertrieben?

 

Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall zum Glück noch immer nicht allgemeingültig – gerade und besonders auch bei unseren Kindern.

 

Man sollte sie sich auf jeden Fall mal genauer anschauen, die Generationen, die noch da sind, von und mit denen wir noch lernen können, was es wirklich ausmacht, ein gutes, ein sinnvolles Leben. Eines, das nicht nur auf die eigenen Bedürfnisse bezogen ist, sondern eines, in dem man sich wahrnimmt als das was man an ist, ein Teil des großen Ganzen. Ein Teil der nicht nur Rechte hat, sondern auch Pflichten:

 

-          Die Skeptiker

-          Die Swing-Jugend

-          Die Kriegskinder

-          Die 58er

-          Die Baby Boomer

-          Die Generation Kinderladen

-          Die Generation Golf

-          Die MTV-Generation

-          Die Generation Praktikum

-          Die iPod- und Youtube-Generation

 

Sie alle lebten und leben uns Ziele, Wünsche, Utopien und Scheitern vor. Wir alle gehören einer Generation an, aber es wäre vermessen, nicht auch zu beachten, dass zwar viele Individuen zusammen eine Richtung vorgeben, die aber lange nicht jeder von ihnen auch wirklich eingeschlagen hat. Generationen, die uns zeigen, dass er sich lohnt, der Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Anders zu sein, auch gegen Widerstand. Unser aller Leben zeichnet sich durch Aktion und Reaktion aus, das sollten wir nicht vergessen.

 

Und darauf alles, bloß keinen Wodka!

 

Hochachtungswoll,

Ev

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