Extrem süße Verwandlungen

Gestern schrieb ich von den Schweinen in Karlsruhe.

 

Heute von Museen/Ausstellungen.

 

Ich mag Karlsruhe. Schon damals, als ich noch fast in der Stadtmitte arbeitete und auch heute noch. Ich mag diesen Flair, der Unistädten anhaftet. Ich mag die Geschichte, die Kultur, die die Fächerstadt zeichnet, die sie trägt, die sie ausatmet.

 

Ursprünglich bis zum 01.04.2012 gedacht, zeigt die Junge Kunsthalle Karsruhe nun doch bis zum 12.08.2012 ihre kleine, aber überaus feine Ausstellung Extrem süß! gemalt gehäkelt gegossen.

 

Auch wenn die Ausstellungen der Jungen Kunsthalle speziell für ein junges Publikum konzipiert sind, so freut sich doch jeder daran, der im Herzen jung geblieben ist, sich nicht scheut, um Ecken zu denken und Neues zu entdecken.

 

Ich lege Euch diese Ausstellung überaus gerne und voller Überzeugung ans kreative Herz, unsere nämlich hat sie überaus erfreut ;).

 

Gleich nach dem Eingang rechts empfängt Euch (Allerdings tatsächlich nur noch bis zum 01.04.2012!!!) der wunderbar skurrile genähte Kaffeklatsch von Stefanie Alraune Siebert:

 

Vereint in tatsächlich unglaublicher Lebensgröße;:

 

Feodora Puste mit ihren wohlerzogenen Ratten, Leslie Liebermann und ihre wundersame Pralinennähmaschine, der schicke schriftstellernde Frido, Donna Carlotta und ihre riesige Jugenstilspinne, die Heilpraktikerin Marille Pfefferminze, der Magier Johann Braten, Peggy B. Busch, wobei dieses Bild nicht der Vollständigkeit huldigt, es gibt auf jeden Fall noch mehr zu entdecken, wie die Schicke mit der Zigarre im Mundwinkel, Fräulein Schrecklein, Otto von Ohngemach und weitere!

 

Die Treppe rauf im Theaterzimmer lässt sich vortrefflich schön sibertisch Posieren.

"Wie im richtigen Leben von" von Ulrik Happy Dannenberg zeigt ein süßes Triptychon, dessen Haltbarkeit abzulaufen beginnt - interessant von vorne und von hinten! 

Ein Ausschnitt aus der ungeheuer fotorealistischen "Konditorei" von Andreas Orosz. Pure Magie!

"Für den kleinen Hunger!" - das glaubt auch nur jemand, der noch nie vor einem Werk von Peter Anton gestanden hat. Schaut Euch auch seine Pralinen an - die sind größer als die Kugel, die meine Schultern trägt!

Patricia Waller - ein Name wie Donnerhall in der Häkelszene! Und da dies primär eine Ausstellung für die Kleinen ist, ist es vielleicht ganz gut, dass nur ihr Erdbeer- und ihr Schokoladeneisbecher zu sehen sind ... (ein Schelm, wer böses und an "Who killed bambi" dabei denkt).

Fazit: Eine kleine feine Ausstellung, für die, die jung geblieben sind im Herzen, Freude an anderen Blickwinkeln haben und für alle die, die ihren Kindern mit ihr eine Freude machen wollen, denn gegen den Unkostenbeitrag von schlappen 1,-- €, darf mit Unterstützung Süßes gewerkelt werden.

 

So sieht das z. B. aus:

Unser Museumstag in Karlsruhe führte uns von hier aus mit einem schönen Spaziergang samt Eichhörnchenbegegnung durch den Botanischen Garten und den Schloßpark hin zur Staatlichen Majolika Manufaktur. Zu meinen Karlsruher Zeiten, so mit Anfang 20, hatte ich eine gleichaltrige Kollegin, die eifrig alle erreichbaren Flohmärkte im Umkreis abklapperte, da sie Majolika sammelte. Ich fand das damals ungeheuer schnarchig und pupsig. Hätte ich sie nur damals mal besucht, die Manufaktur, dann wäre ich spätestens dort eines Besseren belehrt und bekehrt worden. Das nur so am Rande, falls es Euch vielleicht auch schon immer so ging wíe mir damals. 

In der Verkaufsausstellung ist natürlich kein Vorbeikommen am klassischen Bambi.

Aber es gibt auch schicke Neuinterpretationen, wie hier die von Sybille Onnen. Da wünscht man sich doch gleich, einfach so die nötigen zusätzlichen Okken dafür in der Tasche zu haben. Alles andere als schnarchpupsig! Ich liebe solch frech augenzwinkernde Neuinterpretationen.

Auch das Museum ist einfach nur rundum zu empfehlen und bietet einen äußerst sehenswerten Abriss über die gesamten Schaffensperioden der Manufaktur. Unglaublich, die Formen- und Farbenvielfalt auch der älteren Exponate und ihr ungeheur elegante und leichte Detailverliebtheit!

Schaut mal bei diesem Wandbrunnen auf die rechten untere Ecke über dem rechteckigen Becken. Habt Ihr ihn entdeckt, den kleinen Frosch? So süß!

Unverwechselbar die Arbeiten von Max Laeuger. Hochästhetisch.

Fazit: Wenn man sowieso in Karlsruhe ist, Kultur, Kunst & Geschichte liebt, dann ist die Majolika Manufaktur ein Muss, wenn man nicht als schnarchender Pups enden will ;).

Zurück auf dem Blauen Majolika Strahl durch den Park, hin zum Schloß, drumherum und geradewegs Richtung Pyramide zum Museum beim Markt. Über die dort aktuelle Ausstellung Verwandlungen hatte ich bereits in der der Drachenwolle-Kolumne "Wortreiches" geschrieben.

 

Besonders gespannt war ich natürlich auf die Exponate von Akihiro Higuchi.

Besonders genau habe ich mir seine umstrickten Tierkörper angesehen.

Ich mag die Botschaft, die der Künstler vermitteln möchte. Sehr inspirierend. Bei der Nachhausefahrt dachte ich darüber nach, was beim letzten Flohmarktbesuch aus dem alten Fischpräparat mit Hilfe meiner Stricknadeln hätte werden können, wenn ich es doch nur mitgenommen hätte ...

So eine Art Pferdespielanzüglein mit Strickhöschen samt Zwickel und Knopfleisten. Das muss man schon mögen. Kein Problem für mich.

Noch weitaus beeindruckender seine Wasserfarben- und Acrylfarbenmalereien auf den Flügeln von Motten. Zauberhafte Memento moris, die zum Nachdenken anregen. Über Schönheit, Vergänglichkeit, unseren gleichgültigen Umgang mit der Natur.

Beeindruckend, wie er es schafft, diese Old School Pin Ups so aussehen zu lassen, als wären sie der ganz normale Schmuck dieser Falter. 

So wie mich Higuchis Arbeiten in eine Traumwelt entführten, begleiteten mich die filigranen Arbeiten von Mutsumi Aoki weiter auf dem Weg in die Phantasie.

Der "Parasit" lässt eine Pflanze aus dem Rücken wachsen.

"Spaziergang über den Sanzou" in Schuhen aus getrockneten Algen, die, wenn man sie erlaubertweise leicht anpustet, sich zart bewegen.

"Romancier" mein Lieblingsexponat von ihr. Ich könnte es stundenlang betrachten. Immer neue Details entdecken. Traumhaft.

Fazit: Kunst auf die Spitze getrieben. Absolut sehenswert. Hinfahren! Reingehen! Ansehen! Zeit vergessen!

 

Und auch die Treppe nach oben zu Design, Jugendstil, Art Déco auf keinen Fall vergessen.

 

Karlsruhe lohnt sich - gebt Euch die Chance, inspiriert und zum Träumen gebracht zu werden!

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