Durchgefroren

So durchgefroren war ich schon seit Jahren nicht mehr.

 

Vielleicht das letzte Mal so vor 26 Jahren. Da saß ich auch im WInter im Zug. Die Türen ließen sich nicht schließen. Keine Heizung war an. Und an den Fenstern innen Frost. Aber der Zug fuhr durch und war auch noch pünktlich.

 

Auch heute morgen saß ich im Zug.

 

Bis zur nächsten Station war alles normal. Vor der übernächsten plötzlich Stillstand. Erst einmal ohne Durchsage. Für fast 'ne 3/4 Stunde. Mit Gebläse an im Abteil und nicht warm. Zwischendrin mit Durchsage, aber so leise, dass zwar zu hören war, dass da jemand 'ne Durchsage machte, aber nicht, worüber. Dann ging es weiter. Und ich lief ganz nach vorne, dorthin wo der Zugführer saß. Der verließ grad den Zug und war ganz erstaunt, dass von seiner "schönen Durchsage" nicht zu verstehen gewesen war. Er erklärte, dass der Zug jetzt gleich wieder in die andere Richtung fährt und dann würde es irgendwann mit einem anderen Zug wieder in die richtige Richtung gehen. Gleich ging gar nix und nicht nur mir wurde immer kälter. Und als es mir zu kalt wurde und der Zug in den letzten Minuten noch nicht mal ruckte, nahm ich in ihm Platz und er fuhr los. Bisher alles ohne Bahnsteigdurchsagen. Die schicken Lautsprecher, die an jeder Station neu installiert wurden, blieben stumm, egal in welche Richtung. Draußen auf dem Bahnsteig viele, viele ratlose Menschen mit Handy am Ohr, drinnen im Zug das gleiche. An der nächsten Station stieg ich aus. Blöd. Hätte auch noch gleich eine weiter fahren können, dann wäre ich wenigstens wieder dort gewesen, wo heute früh alles anfing. Aber ich befürchtete, dass ich dort aussteigen und es nicht mehr rechtzeitig unter der Straße durch zum anderen Bahnsteig schaffen würde. So stieg ich eben diese eine Station vorher aus, weil es da nur einen Bahnsteig gibt. Der gilt für alle Richtungen.

 

Auch hier viele, viele ratlose Leute. Die meisten ratlos mit Handy am Ohr. Und auf dem Laufdisplay die Anzeige, der nächste Zug würde so 50 Minuten später ankommen und die meisten verließen nach und nach den Bahnsteig. Irgenwohin.

 

Mir war kalt. Eiskalt bin in die Knochen und ich wollte nur noch ins Warme. Also rief ich daheim an. Und als nächstes bekam ich einen Anruf, dass das Auto nicht einmal mehr ein indominespatrum von sich gegeben habe, nur ein panzerlautes Brummen, dann nix mehr. Zum Glück aber war das jüngste Kind noch da und stand irgendwann mit dem anderen Auto vor mir.

 

Um 7 km in die eine Richtung zu kommen und in die andere wieder zurück, dauerte es 1 3/4 Stunden und meine eiskalte Wirbelsäule, die konnte ich noch 'ne ganz Weile später fühlen.

 

Danke Bahn, für seit Wochen immer wiederkehrende Betriebsstörungen im Betriebsstörungsablauf. Macht sehr genügsam und dankbar, aber auch misstrauisch, wenn der Fahrplan dann doch mal fahrplanmäßig abgewickelt wird ...

 

Kommentare: 2 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Connie (Dienstag, 14 Februar 2012 09:52)

    Oh ja, ich kann es dir nachfuehlen... Hier bei uns geht bei 5 cm Schnee oder ab -10 Grad so gut wir gar nichts mehr....
    Letztes Jahr habe ich fuer eine Strecke, fuer die ich normalerweise mit dem Bus eine halbe Stunde brauche, mit der Bahn vier Stunden gebraucht (weil Bus wegen ploetzlichem Schnee nicht mehr fuhr, und ich mit der Bahn erstmal nach Paris rein fahren, und dann mit dreimal umsteigen dahin zu kommen, wo ich ungefaehr hin muss). Und das vom Bahnhof mit dem Auto abholen gestaltete sich auch etwas verzwickt, weil kaum einer Winterreifen drauf hat (ausser uns), und damit die Strassen recht schnell mit Autos, die nicht weiterkommen, blockiert sind.
    Aber ich kam auch heim ;-)

  • #2

    diefarbeev (Dienstag, 06 März 2012 20:30)

    Liebe Connie,
    da es nicht mehr ganz so kalt ist, fährt die Bahn jetzt wieder pünktlicher. Bis es wieder los geht mit Eis, Schnee, Frost.
    Herzliche Dir,
    Ev