Liedgut-Sonntag: Der letzte Cowboy

Für die Lieder meines Lebens jenseits von deutschsprachige Dummfugschlagern im Rampfstampfdiskomodus - und weil es gestern soooooo schön war ♥!

 

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Pelerine

Es ist kein Geheimnis, dass ich es sehr mag, mit Vorgarn zu arbeiten, so wie hier auf diesem Blog beim Maisie-Poncho oder beim Harnisch, was aber auch nicht meine ersten Vorgarn-Projekte gewesen sind.

 

Arbeitet man mit Vorgarn, darf man nur eine sehr zarte Spannung auf den Arbeitsfaden ausüben, da er ansonsten sehr schnell reißt, was allerdings auch kein größeres Problem darstellt, denn beide Fadenenden lassen sich schnell und einfach zu einem Ganzen vereinen und neu miteinander verstricken. 

 

Zu meinem großen Glück findet sich in meinem Garnfundus noch ein Vorrat an Vorgarn, worüber ich mich immer dann am meisten freue, wenn mir eine Projektidee nicht mehr aus dem Kopf gehen will.

 

Die Anleitung für den Halfcirkelformad sjal hatte ich mir bereits 2006 ausgedruckt, zu einer Zeit also, als Strickblogland noch relativ klein war, sprich: man jeden existierenden Strickblog kannte, so überschaubar waren sie damals noch - meinen eigenen ersten Blog gab es damals seit bereits zwei Jahren, die eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an diese evstricktnichtnur-Zeiten bei myblog ;).

 

Zurück zur Pelerine:

 

So alle ein bis zwei Jahre durchforste ich meinen Anleitungsordner, nehme raus, was mir mit Sicherheit garantiert nicht mehr gefällt und hefte ganz oben ab, wofür es unbedingt endlich Zeit ist - et voilà, da sind wir schon mit der Anleitung und dem Garn:

Über die Hälfte ist bereits fertig, die Textur des fertigen Umhangs zum Teil, dem Material geschuldet, sehr zart, aber meine Vorerfahrungen sagen mir, dass sie trotzdem sehr haltbar sein wird und, nicht unwichtig, da für die kalte Jahreszeit, dass das Gestrick die Körperwärme sehr gut halten und bewahren wird.

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Ob ich an so etwas einfach vorübergehen kann?

Nah! Ih nehd!

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Mittwochslyrik: Gobi

Gobi

 

Wüste bin ich.

 

Sandsturm

mein heißer Atem.

 

Ernstloser Regen

eruptives Blütenlodern.

 

Spontanes Verdorren

in gnadenloser Sonne.

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So leckere Hasselback-Zucchini

Zucchini gehören zu meiner Lieblingssommergemüsegenüssen, ganz besonders die gelben, aber dieser Sommer meinte es mit meinen Pflänzchen nicht gut, die entweder im Regen ersoffen, im Nullkommanix von fixen Nacktschnecken gefressen oder, als würde das noch nicht reichen, wie das aktuelle, vom Mehltau erlegt wurden. 

 

Zum Glück aber bekommt man sie momentan allenthalben überall in bester Qualität aus heimischen Gefilden zu kaufen und ich kann an Rezepten ausprobieren, wozu auch immer ich Lust habe. 

 

Bei Das Knusperstübchen entdeckte ich diese Hasselback Zucchini und wenn ich auch nicht so schöne Photos wie sie machen kann, weil ich, wenn das fertige Gericht vor mir steht, einfach nur schmausen statt knipsen möchte, müsst Ihr mir jetzt einfach glauben, dass diese Zucchini großartigst lecker schmecken: 

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Athena, Schlüppis, Enzian-Cowl & Marlene

Der Vollständigkeit halber nachreichen möchte ich noch vier Strickwerke, auch um mich selber daran zu erinnern, was dieses Jahr schon fertig wurde.

 

Athena

Tragefertig pünktlich zum Sommer wurde das Top Athena, das Material dafür entdeckte ich letztes Jahr in Memmingen:

Technische Daten:

Gesamtgewicht: Sensationelle und federleichte 137 g

Anleitung: Top "Athena" von Rita Taylor, Quelle: The Knitter, Deutschland, 22/2015

Garn gekauft bei Filati in Memmingen:

2 x Lana Grossa Lace Merino Print, Farbe 0123 und 

2 x Lana Grossa Lace Merino Uni, Farbe 0050

Verwendete Nadelstärken: 3,5 und 4 mm

Fazit:

Das war Strickfreude pur und mal sehen, vielleicht stricke ich mir dieses Top, ganz in uni, noch einmal :).

 

Schlüppis:

Meine Freundin Anna strickte sich die ersten, die ich sah und trat damit im Liebhaber handgefärbter Wolle-Forum bei ravelry einen regelrechten Toetsies, Slippers & Sneakers-Boom los. Diese Dingelchen sind aber auch zu niedlich und praktisch:

Technische Daten:

Anleitung: "Comfort Slippers" von Reiko Arato

Garn: Ein herrlicher alter DiS 08/2009 von DraWo in der Materialzusammensetzung Wolle, Seide Bambus

Nadelstärke: 2,25 mm

Fazit:

Ein leckeres, kleines Strickbonbon - genau richtig, um seine Freunde oder sich selbst damit glücklich zu machen.

 

Enzian-Cowl:

Nicht für den Sommer, sondern für die kühlere Jahreszeit gestrickt und das deshalb, weil diese Knallerfärbung bestens zu einem meiner absoluten Lieblingsoberteile passt.

 

Technische Daten:

Anleitung: "Dragon Cowl" bei Beyenburgerin Design, hier: Size I

Garn: Knit Picks Hawthorne Fingering - das Los zu diesem herrlichen Knäuel traf mich zu meiner großen Freude bei unserer letztjährigen Adventswichtelei bei unserem Strickperlen-Treffen ♥!

Nadelstärke: 4,0 mm

Gesamtgewicht: 74 g

Zusätzlich: An den Spitzen eingestrickte hellblaue Scheibenperlen aus Glas

Fazit:

Bereits der zweite Cowl den ich nach dieser schönen Anleitung gestrickt habe. Folgendermaßen habe ich ihn dieses Mal für mich modifiziert:

Das Dragon-Muster habe ich lediglich für die Halssektion übernommen, das daran anschließende Unterteil habe ich ohne dieses und glatt rechts gestrickt, da mir das Muster zuviel von der Brillanz der Färbung schluckte. Gestrickt habe ich lediglich bis Reihe 31, dann eine Reihe rechts, eine Reihe links, direkt anschließend den Knötchenrand - so wurde der Cowl kürzer und kompakter.

 

Marlene:

Meine liebe Kollegin Shirin konnte in diesem Jahr einen ganz besonderen runden Geburtstag feiern und da sie mir über die Zeit hinweg jedes Jahr mehr ans Herz gewachsen ist, schenkte ich ihr diese Marlene:

Technische Daten:

Anleitung: "Marlene" von Christine Ebers

Garn: SpinningMartha Lace-Garn in einer Mischung aus Merino-Wolle & Bourette-Seide, Farbe: Kupfer

Nadelstärke: 3,5 mm

Eingestrickt: Swarovski-Perlen in einem klaren und doch sehr warmen Rot-Orange-Ton

Fazit:

Sollte ich eine Farbe wählen, die die Schönheiten des Orients verkörpert, dann sind es diese Tönungen - absolut passend zu Shirin!

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Watzmann - Watzmann - Schicksalsberg

Es war so 1979, als mir der Watzmann, die Gailtalerin, Ambros, Tauchen, Prokopetz zum ersten Mal begegneten.

 

Meine Güte, ganze 37 Jahre ist das bereits her, Hollerädulljöh!

 

Ein Teil unserer Clique fuhr ihm, dem Watzmann, in den Sommerferien mit den Mofas entgegen, wo ich so gerne mitgefahren wäre, was aber elterlicherseits leider erfolgreich verhindert wurde.

 

Dieses Jahr nun findet die große Watzmann-Abschiedstournee  statt und Herr Ev überraschte mich heute mit zwei Karten dafür!

 

Der Berg, er ruft - und die Herren Ambros, Eberhartinger, Fälbl, Prokopetz!

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Neue Wolle

Nachdem die vergangenen sechs Wochen durch Frau Mutters Unfall sehr turbulent waren, besteht momentan durchaus die Hoffnung, dass sich nun langsam wieder alles beruhigt und nach und nach die heiß ersehnte Normalität einkehrt. 

 

Also gut, dann darf die neu eingezogene Wolle damit beginnen:

 

Im Shop von Frau Odersocke entdeckte ich einen wunderbaren und für mich recht untypischen "Uferstreifen" (oben - 4fach SoWo mit Baumwolle) und einen herrlichen "Ginsterkäfer", auch mit Blau, aber eben dazu mit einem herrlichen Erikaton (unten - 4fach SoWo):  

Was soll ich sagen, als ich vorhin in ihren Shop schaute, hätte ich bei "Espressobeeren", "Ockerfelsen", "Meerschaumblüte", "Baumorchideen" und "Wolkenbuntmelange Nr. 6" schon wieder zulangen können ... 

 

Zusätzlich eingezogen ist die Augustfärbung "Wilder Mohn", auch eine eher ungewöhnliche Farbwahl für mich, (4fach SoWo) von Farbularasa, die mich in ihrer Farbintensität total mit sich reißt, aber seht selbst:

Was jetzt noch fehlt, ist die Stricklust, die hier noch sehr brach liegt. Auch damit kann es nur noch besser werden ;)!

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Mittwochslyrik: Hofnarr

Hofnarr

 

Immer die Lacher auf der sicheren Seite.

 

Unsicherheit überquatscht.

Zwinkern, Schmunzeln, Lächeln pararat.

Nichts rauslassen, Kanten mit Frohsein verdecken.

Spass zur Unauffälligkeit gepflegt.

Immer gefallen.

 

Wer achtet den Possenreisser?

Gesteht ihm Abgründe zu?

Wer will ihn sehen, wenn er voll Trauer,

weinend, verloren, allein plötzlich steht?

 

Wer will mit, statt über ihn lachen,

sich eingestehen,

dass ein Teil von ihm

in jedem von uns steckt?

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Gelesen: "Greenwash, Inc."

von Karl Wolfgang Flender.  

 

Dieses Buch musste ich immer wieder zuklappen, an die Seite legen, so sehr widerte mich das Geschehen, die Motive und das Agieren der Protagonisten an.

 

Da wird auf Teufel komm raus gelogen, manipuliert, die Wahrheit verdreht, gesoffen, Substanzen missbraucht, jegliche menschliche Regung unterdrückt und über Leichen gegangen und daraus das Beste gemacht.

 

Und wofür? Für die Umsatzzahlen, die Marktpositionierung, den eigenen Geldbeutel, die Werbung und alles was sonst noch so dazu gehört.

 

Fiktion? Iiiiih, woher denn?! Muss man sich doch nur mal vor Augen halten, was momentan in unseren Gesellschaften so an pöbelnden und menschenverachtenden Demagogismen und Kosten-Nutzen-Fixierungen passiert: 

 

- in der Kfz-Industrie

- in der Mode-/Bekleidungsbranche

- in politischen Lebensläufen

- in der Sport- und Pharmawelt

- in der Lebensmittelproduktion

- in der gründliche Vernichtung unserer natürlichen Lebensgrundlagen

- ...

 

Die Rechnungen dafür zahlen nicht die Marketingpotentaten mit den gut gefüllten Taschen, nein, die zahlen wir, die wir uns nur allzu gerne von ihren bunten Heils-, Reichtums- und Schönheitsversprechen leiten und blenden lassen - allzu oft wider unser besseres Wissen ...

 

Fazit:

Lesen! Und danach nicht gleich wieder vergessen, da die Fiktion hier leider einen viel zu realen Hintergrund hat!

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Mittwochslyrik: Still

Still

 

Stilles Gebet voll Dank in mir,

für all die schützenden Flügel,

die mich über Abgründe trugen.

 

Stilles Staunen in mir,

für all diesen Schutz.

 

Stilles Weinen in mir,

dass es erst so weit kommen musste.

 

Stilles Singen in mir,

im Glück eines einfachen Tages.

 

Stilles Wüten in mir,

für alles was noch nicht gebannt.

 

Stilles Strahlen in mir,

das nicht nur mir leuchten soll.

 

Stilles Fühlen in mir,

das ich nie mehr missen möchte.

 

Stilles Träumen in mir,

das mich nie mehr verlassen soll.

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Nina, Nena, Aprikose

1978:

Wir saßen bei P. im Kinderzimmer und sie spielte mir ein Lied von Nina Hagen vor. Offenbarung! Ich kaufte mir die LP und und hörte sie rauf und runter. Mein Vater war davon überzeugt, dass eine Lehre zur Bankkauffrau das richtige für mich sei. Ich kochte das erste Mal Miesmuscheln, traf mich wöchentlich mit der Clique im Hallenbad, verliebte mich zum ersten Mal und mit Aprikosen konnte man mich jagen.

 

1982: 

Nena sah ich zum ersten Mal im Fernsehen und fand ihr Lied zum kotzen. Nina hörte ich noch immer rauf und runter. Mein Vater war davon überzeugt, dass das Wirtschaftsgymnasium für mich am besten sei. Ich wusste, dass es das nicht ist, spielte Badminton, versagte auf dem Skateboard und liebte es, die Frösche am Baggersee zu beobachten. Aprikosen? Iiiiiih!

 

2016:

Ich bin keine Bankkauffrau und meine Kinder durften sich ihre Schulen selber aussuchen. Was für mich am besten ist, darüber bestimmt ich selber und es ist mir ganz egal, ob das anderen gefällt oder nicht. Muscheln esse ich noch immer gern, eigentlich genau so gerne wie Aprikosen. Ninas Lieder kann ich noch immer rauf und runter auswendig mitsingen und ich höre Nena. Nicht die von damals. Die Nena von heute.

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Auf den Fuss gekommen

Gestern am Gehweg:

 

"AchGottachGottachGott, FRAU EV, achGottachGott, was ist ihnen den SCHRECKLICHES passiert?"

"Alles o.k., ich habe einen Hallux."

"Was?"

"Valgus. Hallux Valgus."

"Was?"

"Hammerzeh."

"Was?"

"Arthrose. Ich habe Arthrose."

"AchGottachGottachGott, wie SCHRECKLICH, sie haben sich was GEBROCHEN!!!"

"Nein, mir geht es gut. Das war eine OP. Eine geplante."

"Was?! Ach ja, gut, ja."

 

Ab hier habe ich es dann vorgezogen, mich dem Gespräch durch einen Krückensprint zu entziehen ;).

 

War fast so lustig, wie die unerfragten Horrorstories, die ich im Vorfeld immer wieder erzählt bekam von kurz vor Bein ab, schrecklichem Krankenhauspersonal, unfähigen Ärzten katastrophalen Komplikationen, unerträglichen Schmerzen, furchtbarsten Ergebnissen und monatelangen Folgekrankheiten durch Magen-Darm-Beschwerden und ähnliches, kurz allem, was wohl jede schon einmal erlebt hat, die schwanger, krank, operiert wurde oder einen Schnupfen bekam. 

 

Ich habe einen Hallux. Geerbt. Von Mama und von Papa. Mit exzessivem Highheelgenuss kann ich leider nicht dienen. 

 

Vor ca. einem Jahr veränderte sich der Stand meiner Großzehe. Erst unmerklich, dann immer deutlicher. Ich konsultierte drei Ärzte, alle waren sich bei der Diagnose und dem anschließenden Procedere einig. Ein OP-Termin wurde festgelegt und vier Wochen davor, wurde der Zeh sehr biestig, nervte, zog und schmerzte an jedem einzelnen folgenden Tag, sodass ich zum Schluss froh war, dass der Termin schon fix und fertig ausgemacht war. 

 

Mit Horrorstories kann ich nicht dienen. Schöne Klinik, sehr nettes Personal, vom Empfang, über die Verwaltung, die Pflege, bis hin zu den Ärzten. Nichts ging schief, die sehr liebe Anästhesistin scherzte mich bis in den OP hinein. Auch nach der Narkose alles tippitoppi, keine Komplikationen, keine Schmerzen. Dass das Krankenhausessen und ich keine Freunde wurden, daran war nicht die Klinik schuld, sondern meine Allergien. Am nächsten Tag durfte ich wieder nach Hause. Verbandswechsel kein Problem, Heparinspritzen auch nicht, die setze ich mir selber, wobei da die Überwindung, sich die erste zu setzen, immer am schlimmsten ist. 

 

Mittlerweile sind auch die Klammern raus. Doch, ja, das war unangenehm, aber nicht, weil da jemand was falsch machte, aber auch da gibt es nichts, was mit einem beherzten Eissprayeinsatz nicht zu überleben wäre. Möchte ich trotzdem nicht noch mal haben. 

 

Wie gesagt: Alles ist gut. Die Naht juckt immer wieder, als würde sie unter Strom stehen, aber sie heilt und ich brauche schon lange keine Schmerzmittel mehr.

 

Ich bin froh, dass ich mich für die OP entschieden habe, denn Jucken hin oder her, alles kein Vergleich zu den Problemen vorher! 

 

Lasst Euch also keine Horrorstories erzählen und noch besser - erzählt selber keine, denn es gibt wohl niemanden, der vor einem operativen Eingriff keine Ängste, Befürchtungen oder ein mulmiges Gefühl hat. 

 

 

 

 

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Ein Bedrohungserleben - mal mehr, mal weniger diffus - gab es immer wieder mal.

Auf Blogrolltour blieb ich sehr nachdenklich beim Beitrag Ich brauche keine Liveticker von Das Nuf Advanced und diesen ihrer Fragen

 

" ... Heute, da ich selbst Mutter bin, frage ich mich, wie das damals für meine Eltern war. Haben sie sich ständig gesorgt? Waren sie geschockt von dem was passierte? Wie viel bekamen sie mit? ..."

 

hängen.

 

Ich bin älter als sie, gehöre zur Babyboomer-Generation der 1960er Jahre. Ich wuchs als Soldatenkind auf und mein Vater machte nie einen Hehl daraus, warum er Soldat war. Als Siebenjähriger wurde er 1945 Augenzeuge eines Massakers in Komotau, was ihn schwerst traumatisierte und die Angst in ihm hinterließ, einer solchen Situation noch einmal wehrlos ausgeliefert zu sein. Der Krieg und seine Gräuel, die Vertreibung, das Existieren als ungeliebte Flüchtlinge betrafen nicht nur ihn mit seiner Familie, auch bei meiner Mutter endete die Kindheit so äußert brutal und abrupt. Kein Wunder also, dass diese Erfahrungen meine Kindheit mindestens unterschwellig ununterbrochen begleitete. Heute weiß man, dass solche Traumata bis in die 3. und 4. nachfolgende Generation weitergegeben werden. Für meine Eltern kann ich sagen, dass diese Angst aus der Kindheit sich wie ein roter Faden durch ihr weiteres Leben zog und noch immer zieht. Gerade auch jetzt wieder, wo jeder Tag neue Hiobsbotschaften bringt. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema. 

 

Wie viel bekam ich mit?

 

Ich durfte als kleines Kind meinen Vater immer wieder einmal zu seiner Arbeit begleiten. Ich habe heute noch den Geruch des Towers auf dem Fliegerhorst in der Nase, ich salutierte mit ihm, wenn wir am Wachhaus vorüber fuhren, bekam beim Friseur dort meine Haare geschnitten, Kaugummi mit Bananengeschmack geschenkt, sah Flugzeuge von innen und zur Weihnachtsfeier für die Familien mit ihren Kindern dort, landete der Weihnachtsmann mit dem Hubschrauber. Für mich war das normal, mich zwischen Uniformen zu bewegen. Alles kein Drama, aber warum das so war, dass alle diese Männer auch auf Kampfeinsätze vorbereitet wurden, war kein Geheimnis für mich. 


Das allererste Mal nahm ich ein bewusstes Gefühl der Bedrohung wahr, als 1972 in den Nachrichten vom Olympiamassaker in München berichtet wurde. Ich war damals noch keine 10 Jahre alt und um es gleich zu beantworten, ja, meine Eltern hielten uns von solchen Nachrichten nicht fern. Für meinen Vater galt der Grundsatz "Informiere dich so gut wie möglich, eigne dir Wissen an, schaffe dir dein eigenes Urteil" und dazu gehörte auch die tägliche Information durch Radio und die Fernsehnachrichten. 1972 war mein Vater schon nicht mehr aktiver Bundeswehrangehöriger, was für mich am Grauen aber nichts änderte, denn die Endphase dieses schrecklichen Terrors spielte sich auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck ab, der zu meiner Kindheit gehörte. 

 

1972 brannte sich aber auch der entsetzliche Vietnamkrieg für immer in meine Erinnerungen durch die Bilder von Phan Thị Kim Phúc - so alt wie ich - für immer aufs grausamste durch den Einsatz von Napalm mit diesem Krieg verschmolzen. 

 

In meiner Schulzeit, mit Beginn der 1. und weiter bis mindestens zur 4. Klasse, wurde im Sportunterricht "Feuer-, Wasser-, Luftalarm" gespielt. Nichts anderes als eine spielerische Vorbereitung auf eventuelle kriegerische Aktivitäten, immerhin herrschte seit 1947 der "Kalte Krieg" zwischen den West- und Ostmächten. Durch meine gesamte Kindheit zog sich so auch im Spiel immer wieder die Themen Krieg und Flucht. Was würde ich mitnehmen im Ernstfall? Womit wäre ich am besten darauf vorbereitet? Was wäre am sinnvollsten, leichtesten, schwersten? Und aus dieser Zeit stammt noch ein ganz anderer Aspekt, wohl von meiner Großmutter E. von mir übernommen: Immer darauf achten, dass genug Eier, Butter, Mehl, Milch im Haus sind. 

 

Und trotzdem: Ich würde nie behaupten, dass meine Kindheit eine schlechte war. Das alles erschien mir als ganz normal. Ob das bei meinen Freundinnen und Freunden auch so war? Ehrlich - ich habe keine Ahnung. Ich weiß nicht, ob deren Eltern auch solch einen Wert auf Information legten, ob auch sie mit ihren Kindern darüber sprachen. Ich fühlte mich auf jeden Fall nicht anders als sie. Auch als mein Vater schon kein Soldat mehr war, verschwand dieses Thema nicht einfach so. Unser Umzug führte uns nach OWL, ganz in die Nähe des Truppenübungsplatzes Sennelager und die 1970er hindurch war es dort völlig alltäglich, mit allen möglichen Truppenübungen und -bewegungen der Deutschen, Englischen, Niederländischen Armeen konfrontiert zu werden. 

 

Ein weiteres, einschneidendes und prägendes Erlebnis war für mich eine Familienreise in die damalige DDR - damit verbunden ist mein stärkstes Bedrohungserleben in dieser Zeit überhaupt. Auf der ostdeutschen Seite der Grenze dort begegnete ich nicht den freundlichen Soldaten meiner Kindheit, sondern Menschen mit der Waffe im Anschlag, sehr schroff, mit harten Gesichtern, ohne Lächeln, ohne nette Bemerkungen. Wir wurden zum Essen eingeladen und weil H. Beziehungen hatte, konnten wir an einer langen Schlange Wartender entlang direkt in eine Lokal gehen, was missbiligendes Zischeln auslöste. An einem anderen Tag aßen wir irgendwo unterwegs einen Broiler und A. sagte "Guckt nicht zum anderen Tisch, da sitzt ein Sowjetsoldat. Fallt bloß nicht auf." Unglaublich emotional war der Besuch bei C., dem Cousin meines Vaters, der zusammen mit seiner Mutter noch auf dem enteigneten Gut lebte und arbeitete. Man unterhielt sich leise, vorsichtig, so, als würde man auf schwammigen Boden laufen und damit rechnen, mit der nächsten Bewegung einzusinken. Einige Jahre später dann die Klassenabschlussfahrt nach West-Berlin und der goldene Nussknacker. Heute liest sich sowas lustig, damals war es alles andere als das.

 

In der Schulzeit war das 3. Reich Thema mit all seinen Daten und Fakten. Im TV war die Serie Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss Pflichtprogramm für mich, aber auch Roots. Ich las mich durch sämtliche für mich verfügbare Literatur zum Holocaust, Rassendiskriminierung, und die Indianerkriege. Die Nachrichten in dieser Zeit meiner Pubertät wurde immer wieder von der RAF dominiert. Bei meiner Klassenkameradin A., die mit ihrer Familie auf einem abgelegenen Bauernhof lebte, hing im Eingangsbereich ein Fahndungsplakat mit Abbildungen der gesuchten Terroristen. Dieses Plakate sah man in allen öffentlichen Bereichen, nahm die Bedrohung durch sie auch sehr ernst, aber nur bei A. begegnete ich ihr auch in einem ganz privaten Bereich. 

 

Als ich älter wurde, so in der Zeit ab Beginn der 1980er Jahre, diskutierten wir im Freundeskreis sehr viel weiterhin über den Kalten Krieg, den Einsatz von Atomwaffen, EMP, The Day After. Ja, da war definitiv so ein diffuses Bedrohungsgefühl mit an Bord, mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt. 

 

Tschernobyl und seine Auswirkungen habe ich sehr bewusst miterlebt. Bevor die ersten Nachrichten dazu durchsickerten, war es ein schöner, ausgelassener Tag, den ich mit Freunden draußen in der Natur verbrachte. Nie vergessen werde ich den schlimmen Wolkenbruch danach, der einen Teil meiner Wohnung unter Wasser setzte und mich in Panik zurückließ, weil ich nicht wusste, ob jetzt alles nass gewordene kontaminiert ist und weggeworfen werden sollte. 

 

Und da möchte ich jetzt schon die Verbindung zu heute ziehen:

 

Der Nachrichtenfluss damals war sehr zäh und kleckerte regelrecht vor sich hin. Wir hätten uns sehr gerne näher informiert, ging aber nicht. Inet war noch nicht da, Handys so wie heute auch noch nicht, der Informationsfluss erfolgte nicht digital, sondern analog und ich kann mich noch sehr gut an die allumfassende, allgemeine und tiefe Verunsicherung erinnern. 

 

Jede Zeit reagiert mit den ihr innewohnenden Möglichkeiten und die sind heutzutage nun mal andere als damals. Wir sind mittendrin im digitalen Zeitalter. Noch niemals vorher war es so einfach, sich zu informieren, sich auszutauschen aber es ist damit wie bei allem anderen, denn jede Medaille hat zwei Seiten. Nicht mehr nicht weniger. Schreckliche Nachrichten bannen, schockieren, paralysieren immer. Ganz egal, ob man sie durch Moritatensänger oder durch Twitter- oder FB-Mitteilungen erhält. Man kann sich damit konfrontieren oder sich abwenden. Letzteres ist heute natürlich schwieriger als damals. Was sich natürlich radikal geändert hat, ist der Weg der Übertragung, die ungefilterte Konfrontation mit den Bildern der Gewalt. Ein Handy ist da halt schnell drauf gehalten, Aussagen sind so schnell festgehalten, ganz egal, ob sie richtig oder falsch sind, Hemmschwellen fallen so, was auch erklärt, warum das Gafferphänomen immer unglaublichere Ausmaße annimmt. 

 

9/11 bannte mich mit seinen TV-Berichten, u. a. der Tsunami und der Atomunfall in Japan, der Putschversuch in der Türkei, die schrecklichen Anschläge in Nizza, Würzburg, gestern in München. 

 

Vieles davon unvorstellbar und wenn es mir zuviel wurde und wird, dann schalte ich aus. Ich konfrontiere mich weiter, so wie ich es seit meiner Kindheit mache, weil ich es wichtig finde, informiert zu sein, mir ein eigenes Urteil zu machen. Aber ja, es fällt mir auch schwerer als früher, denn quasi Augenzeuge zu sein, wie jemand kaltblütig Menschen erschießt, ist in seiner gesamten Dimension nicht auszuhalten. 

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Worüber schreiben?

Es gibt so vieles, über das ich gerne schreiben würde:

 

Meine Fuß-OP, den Moorsee, in den ich mich verliebte, über tief empfundene Dankbarkeit, Familienglück, Wolle, wunderschöne Urlaubstage, ...

 

Aber da ist das, was seit Tagen in der Welt und in unserem Land alles an Schrecken, Terror, Unglaublichkeiten, an wütend, fassungs- und hilflos Machendem passiert. Viel zu oft sprachlos macht das. 

 

Und da ist noch ein ganz anderer Punkt und damit wird es nicht nur mir alleine so gehen:

 

Meine Mutter wurde als Kind durch Krieg und Vertreibung zutiefst traumatisiert und was all das nun in ihr nun an Angst und Schrecken loslöst, ist in seiner gesamten Dimension einfach nur niederschmetternd. 

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Mittwochslyrik: Hoffnungsvoll

Hoffnungsvoll

 

Voll der Hoffnung

trotz leerer Erwartung.

 

Am Ent der Täuschung

nicht mehr der Freud los.

 

Der Fried nun fertig

nicht mehr des Kampf bereit.

 

Nicht der dolorosa Mater.

 

Die Seele voll Ruh.

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Upcycling: Blusenkragenarmband

Beim Zerschneiden alter Kleidungsstücke für meine Sommerstäbe war eine Bluse mit Perlmuttknöpfen dabei, die ich früher sehr gerne getragen habe. Als ich die übrigen Stoffreste zusammenräumte, stutzte ich bei ihrem Kragen, wand ihn mir sentimental um ein Handgelenk und schon war er da der Gedanke an ein Blusenkragenarmband:

Ich suchte nach den passenden Toho-Perlchen und Permuttknöpfen und begann damit, jeden einzelnen Stich des Kragenbandes mit einer dieser winzigen und farbintensiven Perlen zu benähen:

Gedanken um einen Verschluss musste ich mir nicht machen, denn dafür waren ja schon das Knopfloch samt Perlmuttknopf der alten Bluse da. Abschließend nähte ich noch weitere Perlmuttknöpfe auf. Fertig.

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Mittwochslyrik: Für U.

Für U.

 

So wandere ich denn zwischen 

meinen Welten,

die mich mahnen, nicht zaghaft

zu sein.

 

Mich ermuntern, in dröhnendes Schweigen 

zu lachen aus vollstem Herz.

Deren Grün mich erfrischt und im Blau

mich zur Ruhe kommen lässt.

 

Bin mein eigener Weg in neue Richtungen,

bereichernd den

Schatz meiner Sinne.

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Ganz einfach Rote Grütze

Jetzt reifen Kirschen, Johannis-, Him- und Erdbeeren und ihre Sonnensüße lässt sich ganz einfach in Roter Grütze einfangen:

 

Rote Grütze

Zutaten:

500 g gemischte Früchte

250 ml ungesüßter Fruchtsaft, ich nehme dafür gerne den roten Apfelsaft von Stiefkind  

65 g Perlsago

 

Zubereitung:

Die Früchte mit dem Apfelsaft kurz aufkochen lassen, dann über ein Sieb abgießen, den aufgefangenen Saft zurück in den Kochtopf geben, den Sago dazu geben, wieder kurz aufkochen lassen und ihn dann bei leichter Hitze für 20 - 30 Minuten, immer wieder umrühren, damit er nicht ansetzt, köcheln lassen, bis die Sagoperlen komplett durchsichtig sind. 

 

Nun die Früchte dazugeben und alles zusammen noch einmal für fünf Minuten köcheln lassen. Für mindestens drei Stünden kalt stellen. Fertig. 

 

Ich verzichte komplett auf eine Zuckerzugabe, die Süße der Früchte reicht mir völlig aus. 

 

Die Rote Grütze kann man pur essen, als Brot- oder Hefezopfaufstrich, zusammen mit Joghurt, zu Pudding oder einer selbstgekochten Vanillesauce.

 

Mit Joghurt vermisch, sah das so bei mir zum Frühstück aus:

 

Die Rote Grütze-Joghurt-Mischung eignet sich übrigens auch perfekt - und ebenfalls ohne weiteren Zucker oder sonstige Zugaben - zum Einfrieren in kleinen Stieleisformen. 

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Zartes Sommer-Top Athena

Bei der letztjährigen Mutter-Tochter-Reise fand ich für mich bei Lana Grossa in Memmingen das genau richtige Garn für das Athena-Top, zu finden in The Knitter, Ausgabe 22/2015:

Die untere Ajour gearbeitete Hälfte des Tops habe ich in einem zarten Grau verstrickt, da sich im Färbung des Printgarns wiederholt. Diese wunderschöne Färbung für das ganze Top zu nehmen, hätte für mich den Reiz der Spitzenstrickerei viel zu sehr überdeckt. 

 

Das Garn hat sich ohne Probleme und sehr angenehm verstricken lassen - Probleme oder Verarbeitungsfehler traten nicht auf. Um ein bessere Passform des Oberteils zu erreichen, verlängerte ich die zumeist glatt rechts gestrickte obere Sektion um 2 cm, für mich die genau richtige Entscheidung. Ich muss zugeben, dass ich Zweifel hatte, als alle Seitennähte geschlossen waren und das fertige Top vor mir lag, so hätte es mir nicht gepasst, was aber auch schon in der Anleitung erwähnt wurde. Das Entspannungsbad nach dem Zusammennähen ist also unerlässlich. Auch hier verhielt sich das Garn tadellos, die Farbe blutete nicht aus, die Wolle flauschte ganz leicht aus und das Top passt perfekt! 

Federleichte 137 g wiegt die fertige Athena gerade einmal, was sehr angenehm ist und ich kann mir durchaus vorstellen, sie noch einmal ganz in uni nachzuarbeiten.

 

Technische Daten:

Sommertop "Athena" nach einer Anleitung der Designerin Rita Taylor, deutschsprachige  Anleitung erschienen in: The Knitter, Ausgabe 22/2015.

Je 2 Knäuel Lana Grossa Lace Merino Print, á 50 g = 400 m, Färbung 0123 und

Lana Grossa Lace Merino Uni, ebenfalls á 50 g = 400 m, Färbung 0050

Rundstricknadeln 3,5 und 4,0 mm

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Der Schellfischstick und ich

Mein Verhältnis zu Handys ist ein sehr gespaltenes.

 

Für einige Jahre lang musste ich beruflich durchgehend erreichbar sein. Im Nachhinein hat das niemals zu unangenehmen Situationen geführt, aber allein das Wissen, dass das Ding da jederzeit hätte klingeln können, war nicht sehr angenehm.

 

Mittlerweile bin ich in der glücklichen Lage, mein Handy nur noch privat nutzen zu können. Und trotzdem: Es nervt mich oft, wie stark Handys mittlerweile in den ganz normalen Alltag Einzug gehalten haben, wie sehr man sich immer wieder davon korrumpieren lässt. 

 

Bin ich mit dem Auto, der Bahn oder zu Fuß unterwegs: Davon abgesehen, dass ich es meist irgendwo mit mir herum trage, ist den Dingern auch außerhalb von mir kein Entkommen. Es vergeht kein Tag, an denen mir beim Autofahren nicht irgendjemand entgegen kommt, der einhändig am Lenkrad sitzt, mit einer Handyhand am Ohr. Gerne auch von Leuten genommen, die schnell bei Rot noch über die Ampel oder fix über Zebrastreifen brettern. Ganz egal, ob in der Stadt oder wie bei uns im Dorf. 

 

In der Bahn dann sind ca. 90 % der Mitfahrer damit beschäftigt, um darin zu lesen, Musik zu hören, meist doch sehr laut zu telefonieren oder zu zocken. Die meisten sitzen mit geneigten Köpfen über ihre Displays gebeugt da, wischen oder tippen, bekommen gar nicht mit, was vor den Fenstern, geschweige denn in den Abteilen los ist. 

 

Unterwegs zu Fuß ist das nicht viel anders, besonderes schlimm im Bahnhof selbst: Manchmal ist es ein regelrechter Slalomlauf zwischen Handyzombies, die gar keine Gesichter mehr zeigen, nur noch Scheitel, Buns, Glatzen, schütteres oder buntes Haar. 

 

Die Umwelt reduziert auf ein gläsernes Rechteck. 

 

Ich habe nichts gegen Handys, sie sind ein tolles, leichtes, einfach zu bedienendes Mittel, um Kontakt zu halten, Nachrichten auszutauschen - und um zu fotografieren. Die Kamera ist für mich eine der besten Funktionen, die sie haben und mittlerweile können sie locker mit einfachen, kleinen Fotoapparaten mithalten. Ich muss nicht erst eine Kameratasche öffnen, Eingabemodi verändern, etc., das Knipsen damit ist praktisch, schnell und macht mir oft einfach Spaß.

 

Spaß hatten auch die japanischen Touristinnen, bei denen ich das erste Mal einen Selfiestick sah. Sie fotografierten unter großem Gelächter sich selbst, alle zusammen und in immer neuen Posen. Mit dem Schloss im Hintergrund, mit dem Rathaus, dem Brunnen, der Kirche. Das alles so hinreißend niedlich, dass ich selber lachen musste. 

 

Ich mit so einem Stecken rumlaufen?Nee, völlig überflüssig!

 

Aber da entdeckte ich diese Kameraoption, in der ich mich auch von vorne knipsen konnte - die Selfiefunktion, und immer wenn ich die ausprobierte, sahen die Bilder sehr lustig aus, meine Nase sehr groß, der Hals noch kürzer, irgendwie blickte ich mir immer wie ein Michelinfrauchen entgegen. Das einzige Mittel dagegen: na klar, ein Selfiestick, von mir liebevoll Schellfischstick genannt. 

 

Nichts, was ich immer mit mir herumtragen möchte, aber eine nette kleine Spielerei, wie z. B. für Gruppenfotos, auf denen dann wirklich alle mit drauf sind, auch die, die normalerweise hinter der Kamera stehen. Und es geht so einfach. Nix mit Selbstauslöserfunktion, Stativhantierereien oder mit der Bitte an Wildfremde, ob sie nicht mal eben und so ... sondern den Fotostecken raus, den Schalter auf ON schieben, das Handy auf Bluetooth stellen und schon geht es los. 

 

Schellfischstick!

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Mein kleines Gartenglück

Aufgrund der nun schon bald in die 5. Woche gehenden Wetterlage im raschen, manchmal stündlichem Wechsel von Regen, Schwüle, Gewitter, kurzer Kühle, Sonnenschein und rasanter, zum Glück nur kurzer, starker Hitze, spielt sich mein Gartenleben dieses Jahres zum großen Teil auf dem Balkon und nicht im Garten ab.

 

Unser Balkon liegt auf voller Südseite und wenn die Temperaturen über mehrere Tage hinweg deutlich über 30° C steigen, ist das weder für eine Bepflanzung gut, noch halten wir uns dann auf ihm auf, weil er sich viel zu stark aufheizt. Im letzten Jahr mit seinem wahnsinnsheißen Sommer war das so extrem, dass da noch nicht mal eine Tomatenpflanze überleben wollte.

 

Dieses Jahr ist das zum Glück wieder anders, denn der beste natürlichste Stechmückenschutz in der Wohnung sind, meiner Erfahrung nach, kräftige Tomatenpflanzen. Heuer zeigt das "Harzfeuer" neben den Blüten schon die ersten Fruchtansätze:

Im Pflanzkübel direkt neben dran wächst eine Tomate, die blaue Früchte tragen wird:

Mein Gartenglück ist auch im übertragenen Sinn klein, denn da sind noch die nach Ananas schmeckende weiße Erdbeere und die knackige Minigurke:

Noch ganz klein sind auch die später scharf knackigen Schoten vom Rattenschwanzrettich, der herrlich violett blüht:

Wunderschön auch die Blüten vom Pfirsichsalbei, die übrigens ein toller Bonbonersatz sind! Frisch abgezupft und gleich in den Mund geschoben, entfaltet sich eine feine und unerwartete Süße:

Mein kleiner Kraftort, mein kleiner Genussraum, mein kleines Gartenglück. Nicht nur meines:

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Mittwochslyrik: Wert

Wert

 

Ich bin es wert

Liebe

Achtung

Respekt

Phantasie

Courage

warmes Herz

Offenheit.

 

Das alles und mehr!

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Mein Knuspersommerbeitrag

Im Knusperstübchen findet auch in diesem Jahr der Knuspersommer statt und dieses Mal bin ich mit dabei:  

Hier bei uns hat sich der Sommer in den letzten vier Wochen von seiner feuchtesten Seite gezeigt und die Schuhe, die ich am häufigsten, auch im Büro, getragen habe, sind tatsächlich meine Gummistiefel. 

 

Das Ernten im Garten ist bis jetzt hauptsächlich ins Wasser gefallen, aber die letzten zwei sonnig heißen Tage habe ich kurz vor Ernteknapp doch noch unserem Rhabarber widmen können.

 

Zum einen habe ich Rhabarber-Streusel-Muffins gebacken und zum anderen gleich einen großen Topf mit Rhabarberkompott für den Winter gekocht. 

 

Ich koche und backe für meine Leben gerne, aber seit meiner Diabetesdiagnose im letzten Jahr ging mir meine Freude daran ganz schön flöten. Was darf ich jetzt noch backen, kochen, essen? So viele unterschiedliche Wege gibt es: Low-Carb, sagen die einen, andere, auch bei Typ 2, raten vehement dazu, konsequent Broteinheiten zu zählen, ganz viel Eiweiß zu essen oder aber gleich gar keines mehr, vegan muss es sein, aber bitte niemals das Fleisch vergessen, 5 Mal am Tag Obst und 5 Mal am Tag Gemüse, 5 Mahlzeiten am Tag oder - nein - nur drei und dazu muss man unbedingt Hunger verspüren, undsoweiterundsofort. Nach einem Jahr war ich komplett frustriert, überinformiert, ratlos und voller Fragen. Mittlerweile hatte ich, völlig unerwartet und zum großen Glück, ein ausführliche Gespräch mit einer sehr kompetenten Diabetesberaterin, die es geschafft hat, dass ich wieder Licht am Ende des Tunnels sehe und ja, meine Freude am Kochen & Backen kommt so langsam wieder zurück. Anders wie vorher, aber nicht schlechter, nur eben anders :). 

 

Mit der Zutat Zucker in Rezepten gehe ich mittlerweile rigoros so vor, dass ich diese von vorne herein um mindestens 50 % reduziere. Natürlich bekommt so manches einen ganz anderen Geschmack, eine ganz andere und neue Intensität (oder ehrlicherweise auch erst einmal nicht mehr) ... aber ich schweife ab, hier kommen sie, meine beiden Rezepte mit den köstlich sauren Stangen:

 

Rhabarber-Streusel-Muffins:

Zutaten für ein Muffinbackblech:

230 g Rhabarber

2 Eier

40 g Zucker

das Mark einer Vanilleschote

1 Prise Salz

200 ml Buttermilch

100 ml Sonnenblumenöl

250 g 1050er Dinkelmehl

1 Tl Weinsteinbackpulver

Für die Streusel:

40 g Zucker

1 Prise Salz

80 g Süßrahmbutter

150 g 1050er Dinkelmehl

 

Zubereitung:

Den Rhabarber nach dem Waschen und dem evtl. Schälen längs halbieren und in kleine Stücke schneiden. 

Die Streuselzutaten miteinander verkneten.

Das Mehl mit dem Backpulver gut vermischen und sieben.

In einer großen Schüssel die Eier, Salz, Zucker, das Vanilleschotenmark, die Buttermilch, das Öl und die Rhabarberstückchen miteinander verrühren. Nun die Mehl-Backpulver-Mischung von Hand unterheben, bis die Mischung schön feucht ist, nicht länger, damit die Muffins beim Backen fein locker bleiben. 

Nun den Teig in das mit Papierförmchen ausgefüllte Muffinblech füllen, die Streusel darüber verteilen, leicht andrücken und im auf 185° C Ober-/Unterhitze vorgeheizten Backofen goldgelb backen, was so ungefähr 25 Minuten dauert.

 

Nicht-Diabetiker dürfen im Rezept die Zuckermenge gerne verdoppeln, die Muffins danach mit einem süßen Frosting überziehen oder mit Puderzucker - jeder so, wie er es möchte oder verträgt.

 

Vanille-Rhabarberkompott:

Zutaten:

1.500 g Rhabarber (gewaschen, geputzt, geschält)

3 El Zitronensaft

3 El ungesüßter, reiner Apfelsaft

200 g Zucker

2 Vanilleschoten (das Mark herauskratzen, die Schoten in ca. 1 - 1,5 cm lange Stücke schneiden)

 

Zubereitung:

Den vorbereiteten Rhabarber in ca. 2 cm lange Stücke schneiden, mit den Säften, den Zucker, dem Vanillemark und den Vanilleschotenstückchen vermischen und mehrere Stunden ziehen lassen. Den sich bildenden Saft auf keinen Fall abgießen, der Rhabarber wird mit ihm gekocht.

Den Rhabarber samt Sud für höchstens 5 Minuten kochen lassen. Die Kochzeit ist sortenabhängig, kann durchaus kürzer oder länger ausfallen, man sollte allerdings auf jeden Fall darauf achten, dass die Stückchen nicht völlig zerfallen.

Nun in noch warme, sterilisierte Gläser einfüllen, Deckel drauf, fertig. 

 

Auch für das Kompott gilt, was ich oben bei den Muffins geschrieben habe. Es lässt sich beliebig auf andere Zutaten umbasteln, wenn man keine Vanille mag, sondern z. B. Sternanis oder Zimt.

 

Es schmeckt, nicht nur später in der kalten Jahreszeit, absolut köstlich zu Vanillepudding, Panna Cotta, Grießschnitten oder mit Quark oder Joghurt als Füllung in Pfannkuchen.

 

Guten Appetit ;)!

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Junimond

Vom Erdbeermond, den ich so gern selbst erlebt hätte, war am Montag bei uns, Dank einer durchgehenden Wolkendecke und ebensolchem Regen, noch nicht einmal ein Fitzelchen zu sehen. So saß ich noch weit nach 22:00 Uhr auf dem Balkon und bin wenigstens mit vollen Sinnen in die Helligkeit der Nacht eingetaucht. 

 

Genau einen Tag davor, am Sonntag, ging aber über dem Heiligen Wald der Vollmond in einem satten Honiggelborange auf, das nach einer Weile in ein kühleres Silberhell verblasste:

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Mittwochslyrik: Diese ungelebten Leben in mir

Diese ungelebten Leben in mir

 

voller Lachen Wörter Abenteuer
wie Murmeln so prall
doch mit paradoxen Kanten
die mich schneiden
an mir schaben

 

Diese ungelebten Leben in mir
ein Kaleidoskop
voller Träume Wissen Kraft
in Schleier gehüllt
kostbar und rein
die mich leiten
und begleiten

 

Diese Leben in mir
die sich ineinander flechten
unentrinnbar
nur mir gehören
die sich teilen
die schamlos tanzend
sich ineinander drehn

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Denn das Glück ist eine Reise

von Caroline Vermalle.  

 

Ein locker & leicht zu lesender Sommerroman von gerade einmal 160 Tolino-Seiten. 

 

Normalerweise zieht es mich zu wesentlich umfangreicheren Büchern, aber dieses hier ist ein richtiges kleines Juwel. 

 

Es handelt vom Leben und vom Tod. Vom Alter und von der Jugend. Erinnerungen, Wünschen, Trauer, Krankheit, Sehnsüchten und auch Mut. Von der Freundschaft und der Liebe zum Leben. Die zentralen Personen sind Georges und seine Enkelin Adèle und es fällt sehr leicht, sich in beide hinein zu versetzen, ihre Gedanken und Intentionen zu spüren und zu verstehen. 

 

Die letzten Seiten ließen meine Tränen fließen. Vor Trauer und vor Freude.

 

Unbedingt lesen!

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Sommerstäbe

In der aktuellen Juli-August 2016-Ausgabe von Die Allgäuerin ist eine Anleitung für Riesenblumen enthalten, die mich sofort faszinierte:

Ich hab erst einmal drüber nachgedacht, durch was ich die Schilfgrasbüschel auf dem Photo ersetzen könnte, dachte an die Schosse vom Wein, die noch abgeschnitten werden müssen, entschied mich dann, nachdem ich diverse ausgemusterte Kleidungsstücke für die Stoffstreifen zurecht gelegt hatte, aber doch für eine ganz andere Lösung.

 

Großen Spaß hat mir das Planen, Ausprobieren & Basteln gemacht und hier sind sie, nicht meine Riesenblumen, sondern meine Sommerstäbe:

Schön bunt sind sie geworden und ich habe auch schon einen passenden Platz auf unserem Balkon für sie gefunden. 

Liebend gerne hätte ich sie an einem ganz anderen Ort mit viel schöneren Hintergründen fotografiert, hinter uns aber sah es schon wieder so aus:

Und tatsächlich: Kaum hatten wir die Bilder im Kasten, fielen schon die ersten Regentropfen...

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Mittwochslyrik: Wie Wasser

Wie Wasser

 

rieselt über Stöcke & Steinchen

versickert zärtlich im Moos

wie ein Rinnsal in den Bach

gurgelt – plätschert – rauscht

stürzt machtvoll hinab

wie ein Fluss in das Meer

trägt – trudelt – treibt

gibt Leben und nimmt’s

 

die Zeit

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Punktlandung mit Telima

Wähnte ich mich HIER noch im Blindflug mit ihr, kann ich jetzt sagen, dass wir zusammen eine satte Punktlandung hingelegt haben:

Nach dem Entspannungsbad und dem anschließenden vorsichtigem Trockenen, ohne dass ich den Pullover spannte, erwies es sich, dass sie einfach nur bestens passt!

 

Schon das Verstricken des Garns war pure Fadenfreude, Telima zu tragen einfach ein federleichter Genuss von gerade mal 145 g - dadurch möglich auch dann, wenn die Sommersonne vom Himmel strahlt! Ich mag diesen changierenden Seegrünton, entstanden durch die Verarbeitung der Bouretteseide, die nicht zu 100 % durchgefärbt ist, sehr. 

Obwohl der Pullover nahezu vollständig glatt rechts gestrickt wurde, ist sein Schnitt durch die ungewöhnliche Konstruktion bezaubernd beschwingt - das Tüpfelchen auf dem I ist hier der asymmetrische Volant. Dieser war es auch, der beim ersten Durchblättern der Zeitschrift meinen Blick auf ihn sofort fesselte. 

Experiment geglückt, Trägerin sehr glücklich :)!

 

Technische Daten:

3 x 50 g  ITO Kinu, Farbe 377, gekauft bei Wollsucht

Nadelstärke 3,5 mm 

Anleitung von Danìele Dietrich in VERENA Stricken, Frühjahr 2016  

 

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